Bischöfin und Ministerin rufen zu Familienförderung auf

Nachricht 26. Juni 2004

Hannover (epd). Die niedersächsische Sozialministerin Ursula - von der Leyen (CDU) und die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann haben Politik und Wirtschaft aufgefordert, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. Die Gesellschaft sei dazu verpflichtet, Familien zu unterstützen, weil darin ihre Zukunft liege, sagten die beiden Frauen am Freitagabend bei der 41. Bundestagung des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU in Hannover.

"Die Erziehung von Kindern muss anerkannt und honoriert werden", betonte von der Leyen. Dazu gehöre es, die Angebote der offenen Ganztagsbetreuung für Kinder auszubauen. Die CDU-Politikerin bezeichnete es als strukturelle Rücksichtslosigkeit, dass Frauen, die Kinder erzogen hätten, heute bei der Rente massiv benachteiligt würden und dass die Pflegeversicherung ausgerechnet die Erziehungsleistungen nicht anrechne.

Die Ministerin betonte, die emotionale und soziale Kompetenz, die in Familien gelernt werde, sei für jedes Unternehmen ein Vorteil. Mütter verfügten täglich über Belastbarkeit, Flexibilität, Organisationstalent, Durchsetzungsvermögen und Kompromissbereitschaft. Dies seien alles Qualifikationen, die die Wirtschaft brauche. Deshalb müsse es im eigenen Interesse der Unternehmen liegen, sich stärker um die Familien zu bemühen.

Bischöfin Käßmann sagte, auch die Kirche müsse Familien stärken und dabei anerkennen, dass es sie heute in verschiedenen Formen wie Patchwork-Familien oder als Alleinerziehende gebe. "Wir sollten zur Akzeptanz unterschiedlicher Lebensentwürfe ermutigen, aber gerade auch zur Elternschaft und zu bewusster Erziehung", sagte die evangelische Theologin. In einer Zeit, die immer wieder Orientierungslosigkeit beklage, sei das christliche Menschenbild ein wichtiger Teil der Erziehung.

Im vergangenen Jahr habe es einen traurigen Rekord von 195.000 Scheidungen in Deutschland gegeben. Davon seien etwa 216.000 Kinder betroffen. Käßmann kritisierte, dass die Gesellschaft sich an eine Form von allmählicher Polygamie zu gewöhnen scheine, bei der Männer alle paar Jahre mit einer jüngeren Ehefrau auftauchten. Die Kirche trete für den Sinn und die Dauerhaftigkeit der Ehe in einer Zeit ein, in der die Illustrierten voll von Schilderungen der Unverbindlichkeit seien. (epd Niedersachsen-Bremen/b1946/26.06.04)

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