Bundestagung des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU

Nachricht 26. Juni 2004

Hannover (epd). Der Evangelische Arbeitskreis (EAK) der CDU/CSU hat am Wochenende in Hannover an den früheren Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers (1904-1954) erinnert. Der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble erhielt die erstmals verliehene Hermann-Ehlers-Medaille. In seiner Festrede bei der 41. EAK-Bundestagung würdigte Schäuble Ehlers als pragmatischen Politiker mit festen evangelischen Wurzeln. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs habe Ehlers die evangelischen Christen für die Demokratie und die CDU gewinnen wollen.

Hermann Ehlers war Gründer und erster Bundesvorsitzender des EAK. Der Arbeitskreis gedachte bei der Tagung in Hannover seines 100. Geburtstages und seines 50. Todestages. Mit der Medaille sollen künftig führende Persönlichkeiten aus Politik und Kirche ausgezeichnet werden, sagte der EAK-Vorsitzende Thomas Rachel. Er hob bei der Verleihung Schäubles Verdienste um die Wiedervereinigung Deutschlands hervor. Schäuble verbinde sachliche Analyse mit einem verbindlichen Glauben.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel forderte bei der Tagung zum Thema "Evangelische Verantwortung" kreative Lösungen dafür, dass Frauen Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können. So müsse es möglich sein, für einige Jahre eine berufliche Auszeit zu nehmen. Gegenwärtig werde Frauen in Deutschland der Wiedereinstieg in der Beruf nach einer Pause sehr schwer gemacht.

Auch die niedersächsische Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) und die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann riefen Politik und Wirtschaft dazu auf, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. Die Gesellschaft sei dazu verpflichtet, Familien zu unterstützen, weil darin ihre Zukunft liege. "Die Erziehung von Kindern muss anerkannt und honoriert" werden", sagte von der Leyen.

Zuvor hatte der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Rolf Koppe, von Politikern eine Stärkung der Vereinten Nationen und des Völkerrechts gefordert. Das in der UN-Charta vereinbarte Gewaltverbot dürfe nicht ausgehöhlt werden, da es auch Menschenrechte schütze, sagte Koppe.

Der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes, Hermann Barth, hob die christlich-jüdische Tradition als einen Beitrag zur Zivilisierung der Welt hervor. Er begrüßte die jüngste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zum Ladenschluss. Sie sei ein ermutigendes Zeichen dafür, dass sich auch eine säkulare Gesellschaft den Sinn für heilige Zeiten bewahren oder ihn wieder gewinnen könne.

In zwei Resolutionen sprach sich der Evangelische Arbeitskreis für den Schutz der Menschenrechte und für allgemein verbindliche Werte in der Gesellschaft aus. Kein Land dürfe Vorwände wie den Kampf gegen den internationalen Terrorismus nutzen, um die Menschenrechte unrechtmäßig auszuhöhlen.

Weiter hieß es, die Unantastbarkeit der Menschenwürde müsse gerade vor dem Hintergrund jüngster bioethischer Fragen sowohl am Lebensanfang als auch am Lebensende dauerhaft bewahrt werden. Die rund 200.000 Mitglieder des EAK repräsentieren rund ein Drittel der CDU-Mitglieder. (epd Niedersachsen-Bremen/b1949/26.06.04)

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