Kirchen-Mitarbeiter demonstrieren gegen Mehrarbeit

Nachricht 17. Juni 2004

S. auch: Pressemitteilung der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen

Hannover (epd). Knapp 200 kirchliche Mitarbeiter haben am Mittwoch in Hannover gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit protestiert. In einer Kundgebung vor dem evangelisch-lutherischen Landeskirchenamt überreichten sie 2.870 Unterschriften gegen die Forderungen der Arbeitgeber. Die Kirchenleitungen wollen die Arbeitszeit für alle Angestellten von 38,5 auf 40 Stunden erhöhen, das Urlaubsgeld streichen und das Weihnachtsgeld auf 50 Prozent des Gehalts senken. In der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers wären rund 28.000 Mitarbeiter betroffen.

"Mehr arbeiten für weniger Geld? - Nein danke!" hieß es in einer Resolution, die von 175 Mitarbeitervertretern auf einer Tagung am Vormittag unterschrieben worden war. Werner Massow, Vorsitzender des Gesamtausschusses der Mitarbeitervertretungen in der hannoverschen Landeskirche, kritisierte bei der Kundgebung, die Kirchen-Mitarbeiter würden noch schlechter gestellt als der öffentliche Dienst. Dort gelte die längere Arbeitszeit nur bei Neueinstellungen.

Die Mitarbeitervertreter warnten die Kirchenleitungen vor einseitigen Maßnahmen. Sie forderten schlankere kirchliche Strukturen und ihren sozial verträglichen Umbau. Rolf Krämer, Vizepräsident des Landeskirchenamtes, verwies in seiner Antwort auf die Finanzprobleme der Landeskirche. Um die Arbeitsplätze der vorhandenen Mitarbeiter zu sichern, müssten Kosten weiter abgebaut werden, sagte er den Demonstranten.

Am Nachmittag trat die paritätisch besetzte Arbeits- und Dienstrechtliche Kommission zusammen, die über die Übernahme der öffentlichen Tarifabschlüsse für die fast 40.000 Mitarbeiter der Landeskirchen von Braunschweig, Hannover und Oldenburg berät. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kritisierte diesen kircheninternenen "Dritten Weg" und forderte Tarifverträge. (epd Niedersachsen-Bremen/b1815/16.06.04)
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Pressemitteilung der Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommission der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen

Die Arbeits- und Dienstrechtliche Kommission hat heute auf Antrag der Arbeitgeberseite beraten, ob für die privat-rechtlich beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Sonderzuwendung (Weihnachtsgeld) gekürzt und das Urlaubsgeld entfallen soll. Die Kommission hat den Antrag mit den Stimmen der Arbeitnehmerseite abgelehnt. Die Arbeitergeberseite kann nun die Schlichtungsstelle anrufen, die über das Begehren gegebenenfalls entscheidet.

Entscheidungen über die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche wurden nicht getroffen. Hierüber gehen die Beratungen weiter.

Die öffentlich-rechtlich Beschäftigten (Pfarrer, Kirchenbeamte) haben bereits im Jahr 2003 eine Kürzung des Weihnachtsgeldes hinnehmen müssen und erhalten auch im Jahr 2004 kein Urlaubsgeld. Sie haben die 40-Stunden-Woche.