Diakonie: Immer mehr Haftentlassene ohne Wohnung

Nachricht 14. Juni 2004

Hannover (epd). Rund 460 Ratsuchende haben im vergangenen Jahr die hannoversche Beratungsstelle Resohelp für Haftentlassene aufgesucht.
Dies sei die höchste Klientenzahl seit 1995, sagte Diakoniepastor Walter Lampe am Montag anlässlich des 35-jährigen Bestehens der diakonischen Einrichtung in Hannover. Im Mittelpunkt der Beratungen hätten Probleme wie Langzeitarbeitslosigkeit, Wohnungssuche, Suchtabhängigkeit und Schulden gestanden.

Der Hilfebedarf habe drastisch zugenommen, sagte Lampe weiter. So seien allein die Beratungen in persönlichen Angelegenheiten um mehr als die Hälfte gestiegen. Aus Angst vor negativer Öffentlichkeitswirkung erhielten immer weniger Gefangene Vollzugslockerungen, um vor der Haftentlassung nach einer Wohnung zu suchen. So landeten viele schnell wieder auf der Straße, womit ein Rückfall programmiert sei.

Öffentliche Wohnungsbaugesellschaften vermieteten kaum noch an die meist verschuldeten Strafentlassenen. Um eine private Wohnung zu bekommen, brauchten sie häufig die Unterstützung der Beratungsstelle.
Nachdem in diesem Jahr der Resofonds, eine Landesstiftung zur Schuldenregulierung von Straffälligen aufgelöst werde, blieben viele Gläubiger auf ihren Forderungen sitzen, und die Schuldner kämen aus ihrer Schuldenfalle nicht heraus. Ein neuer Schuldenfonds sei dringend erforderlich.

Die Arbeitsgemeinschaft Resohelp unterstützt und berät Inhaftierte, Straffällige, Haftentlassene und deren Angehörige. Zu der AG gehören unter anderen die Caritas, das Sozialamt der Stadt Hannover, der Gefangenenfürsorgeverein, das Justizministerium sowie die katholische und die evangelische Kirche. (epd Niedersachsen-Bremen/b1792/14.06.04)

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