Gottesbezug ist Ausdruck der geistigen Grundlagen Europas

Nachricht 04. Juni 2004

Bischof Wolfgang Huber und Kardinal Karl Lehmann schreiben an Bundeskanzler Gerhard Schröder

„Ein Gottesbezug ist Ausdruck der geistigen Grundlagen Europas und hat deshalb auch seinen Platz in der Präambel.“ Dies schreiben der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, in einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder im Blick auf die Fortsetzung der Beratungen eines europäischen Verfassungsvertrags. Die beiden Vorsitzenden hoffen, dass bei den Verhandlungen am 17. und 18. Juni eine Einigung erzielt werde, und bitten den Bundeskanzler, sich noch einmal für das wichtige Anliegen eines Gottesbezuges einzusetzen.

Die Erwähnung der jüdisch-christlichen Wurzeln Europas in der Präambel des Verfassungsvertrages könne einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Europäische Union „noch mehr als bisher im Sinne einer Werte- und Kulturgemeinschaft“ zu verstehen, so Lehmann und Huber in dem Schreiben an den Bundeskanzler: „Die verbindenden Werte wie auch das gemeinsame kulturelle Erbe Europas sind so nachhaltig von der Bibel und vom Christentum geprägt, dass dies in der Präambel zum Ausdruck kommen sollte“. Da die Präambel in ihrer Ausführlichkeit auf „abgewogene und präzise Aussagen“ angelegt sei, bedürfe es „neben dem Bezug auf die kulturellen, allgemeinen religiösen und humanistischen Überlieferungen auch eines ausdrücklichen Verweises auf die christliche Prägung Europas“.

Wenn die Präambel sich auf die Verantwortung vor Gott beziehe, werde „die Vorläufigkeit, Fehlbarkeit und Unvollkommenheit der menschlichen Ordnung“ bewusster. Dies sei angesichts der leidvollen Erfahrungen von Krieg und Diktaturen in Europa wichtig, heißt es in dem Brief. In einer Formulierung, die zugleich die Achtung vor der Freiheit des Gewissens betone, „könnten sich auch diejenigen wiederfinden, die nicht an Gott glauben.“

Hannover, 4. Juni 2004
Pressestelle der EKD
Christof Vetter

Bonn, 4. Juni 2004
Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz
Dr. Martina Höhns