Diakonie: Reformen verschlechtern die Lage für viele

Nachricht 02. Juni 2004

Hannover (epd). Nach Beobachtungen der Diakonie hat sich die Lage vieler Menschen durch die Sozial- und Gesundheitsreformen verschlechtert. Der hannoversche Diakoniepastor Walter Lampe berichtete am Mittwoch, die Beratungsstellen verzeichneten schon jetzt bis zu 30 Prozent mehr Ratsuchende. Die jetzigen und kommenden Härten beträfen besonders Wohnungslose, psychisch Kranke, behinderte Sozialhilfeempfänger und Heimbewohner, sagte Lampe vor knapp 300 Pastorinnen und Pastoren des evangelisch-lutherischen Kirchensprengels Hannover.

In einer Diskussion mit Gerd Andres (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, beklagte Lampe eine Privatisierung sozialer Risiken. Armut erscheine nicht als gesellschaftliches Problem, sondern als selbst verschuldetes Schicksal. Andres hielt entgegen, dass die sozialen Sicherungssysteme reformiert werden müssten, um sie zu erhalten.

Lampe sagte, die Gesundheitsreform mit ihrer Zuzahlungspflicht werde für Wohnungslose zum Existenzproblem. Andres räumte ein, hier müsse die Politik genauer hinsehen, damit denen geholfen werden kann, die sich nicht selber helfen können. Insgesamt bezeichneten Kirchenvertreter wie Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann die Reformen als notwendig. Industriepastor Karl-Heinz Friebe äußerte jedoch die Sorge, dass Druck auf die Arbeitslosen noch keine neuen Arbeitsplätze schaffe, sondern ein "neues Proletariat" entstehen lasse.

Lampe und andere Theologen forderten, dass Kirche und Diakonie sich wieder stärker politisch einmischen sollten. Spieckermann berichtete, in der Region Hannover sei die Kirche bereits im Gespräch mit der Politik, um die künftigen Bedingungen für Beratung und Hilfe zu klären. (epd Niedersachsen-Bremen/b1650/02.06.04)

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