Landesbischöfin: Es gibt keine "Heiligen Kriege"

Nachricht 17. Mai 2004

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Kirchen dazu aufgefordert, die Folter im Irak energisch und hörbar zu verurteilen. Die christlichen Religionen dürften Gewalt grundsätzlich nicht legitimieren, sondern müssten sich davon distanzieren, sagte Käßmann am Montag dem epd: "Es gibt keine Heiligen Kriege, denn heilig ist, was Gott zugehörig ist." Der Name Gottes werde immer dann missbraucht, wenn er benutzt werde, um Gewalt zu rechtfertigen.

Käßmann verlangte außerdem, die Kirchen sollten sich entschieden für eine öffentliche Kontrolle der Gefängnisse im Irak und für einen internationalen Strafgerichtshof einsetzen. "Die USA machen sich unglaubwürdig, wenn sie einerseits erklären, für Menschenrechte und Demokratie einzutreten, gleichzeitig aber ihre eigenen Staatsbürger einer internationalen Kontrolle entziehen wollen."

Die Bilder der gefolterten irakischen Häftlinge sorgten in der Öffentlichkeit für Entsetzen und große Emotionen. "Folter muss in jeder Form entschieden verurteilt werden. Außerdem gilt es, die Befehlsstruktur, die so etwas möglich gemacht hat, aufzuklären", betonte die evangelische Theologin.

Die Fotos von folternden Soldatinnen bestätigten, dass Frauen im Krieg nicht ausschließlich Opfer seien. Täterinnen habe es schon immer gegeben, so auch in der NS-Zeit. "Aber die Bilder dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass Frauen in der Regel die Opfer sind", sagte Käßmann. Spätestens seit dem Jugoslawien-Krieg sei offenkundig, dass zum Beispiel Vergewaltigungen von Frauen kein Nebenprodukt von Kriegen seien, sondern systematisch eingesetzt würden. (epd Niedersachsen-Bremen/b1510/17.05.04)

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