Folter im Irak: Bischöfin Käßmann fordert UN-Polizei

Nachricht 11. Mai 2004

Hamburg/Hannover (epd). Angesichts der Folter-Bilder aus dem Irak hat die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann den Einsatz von UN-Kräften mit Polizeifunktion gefordert. Nur eine Autorität wie die Vereinten Nationen könne die unabdingbare Geltung der Menschenwürde im Irak wiederherstellen, sagte die Bischöfin am Montagabend im "Talk vor Mitternacht" im NDR-Fernsehen (Hamburg).

Die Folterungen US-amerikanischer und britischer Truppen in irakischen Gefängnissen bedeuteten einen "Autoritätsverlust der Demokratie auf lange Zeit", sagte Käßmann weiter. Die Bilder seien "Dokumente der Erniedrigung aller ersten Grades". Wegen des oft "zur Schau gestellten Christentums" der US-Regierung seien zudem "neue und fatale Konflikte" im Dialog der Religionen zu befürchten.

Heiner Bielefeldt, Leiter des Deutschen Instituts für Menschenrechte (Berlin), warnte davor, das Problem der Folter zu personalisieren. Diese "schier unerträglichen" Verletzungen der Menschenrechte seien vielmehr "Teil eines Systems". Auch im US-Internierungslager Guantanamo Bay seien die Genfer Konventionen außer Kraft gesetzt, so Bielefeldt. Der "Kampf gegen den Terror" habe systematisch "Zonen der Rechtlosigkeit"
geschaffen, die schon in der Ausbildung und dem Drill von Soldaten ihren Anfang nähmen. (epd Niedersachsen-Bremen/b1429/11.05.04)
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