Zehn Jahre Sorgentelefon für bäuerliche Familien

Nachricht 04. Mai 2004

Rastede/Kr. Ammerland (epd). "Wenn vier Generationen unter einem Dach leben, dann hängt schon mal der Haussegen schief." Der Leiter des Sorgentelefons für bäuerliche Familien in der Evangelischen Heimvolkshochschule Rastede, Henning Hölscher (54), kennt sich aus: "Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen und weiß, welche Probleme es da gibt." Oft kann der Griff zum Telefon weiterhelfen.

Seit zehn Jahren meldet sich unter der Nummer 04402/84488 montags von 9 bis 12 Uhr und von 18 bis 21 Uhr das Sorgentelefon.

Ein Team von 14 geschulten ehrenamtlichen Männern und Frauen hört die Sorgen und Nöte der bäuerlichen Familien an und versucht zu helfen. "Oft reicht es schon, wenn die Leute endlich mal jemanden haben, der ihnen zuhört", sagt Hölscher. "Ist das Problem erst ausgesprochen, ist meist auch schon ein Weg zu Lösung deutlich."

Die Älteren klagten oft, dass die Kinder "alles anders" machen. Nach dem Motto: "Wie soll der arme Junge das alles schaffen, wenn die Schwiegertochter lieber im Büro arbeitet? Die Bäuerin gehört auf den Hof!" Auch die Angst, den Kindern im Alter und der Pflege hilflos ausgeliefert zu sein, spiele in den Gesprächen eine Rolle. Andere sind verzweifelt und rufen immer wieder an: So ein Bauer, der vor Jahren seinen Hof durch eine Zwangsversteigerung verloren hat und darüber nicht hinweg kommt.

Aber auch die Jüngeren haben Sorgen, etwa wenn die ältere Generation die Pacht zu hoch ansetzt oder es zu Erbstreitigkeiten kommt. Und natürlich gibt es immer wieder Ehekrisen: Die Frauen haben eine wichtige Funktion auf den Höfen, sagt Hölscher. Sie kümmern sich ums Management und um das soziale Klima. "Wenn es da in der Ehe kriselt und es zur Scheidung kommt, geht leicht der ganze Betrieb kaputt. In vielen Fällen könne ein Kontakt mit der Landwirtschaftlichen Familienberatung in Oesede bei Osnabrück vereinbart werden. Die Berater kommen direkt auf dem Hof und versuchen mit allen Beteiligten eine Lösung zu finden.

Wie bei der Telefonseelsorge gilt auch für das Sorgentelefon: "Alles, was bei uns am Telefon besprochen wird, unterliegt der Schweigepflicht. Jeder kann anonym bleiben", versichert Henning Hölscher. Und: "Wir bieten keine Patentrezepte, sondern versuchen gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln." (epd Niedersachsen-Bremen/b1275/03.05.04)

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