Bischöfin besucht Abschiebungs-Haftanstalt in Hannover

Nachricht 22. April 2004

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat sich am Mittwoch in der Abschiebungs-Haftanstalt Langenhagen bei Hannover über die Bedingungen für Abschiebehäftlinge informiert. "Es ist bedrückend, dass Menschen in Deutschland eine Zukunft gesucht und nicht bekommen haben", sagte sie. Zugleich sprach die evangelische Bischöfin den Justizbeamten ihren Respekt dafür aus, wie sehr sie sich für einen menschenwürdigen Haftalltag engagierten.

In der Haftanstalt warten im Schnitt etwa 150 Ausländer aus bis zu 90 Nationen auf die Abschiebung aus Niedersachsen in ihre Heimatländer.
Der weitaus größte Teil von ihnen ist wegen eines Verstoßes gegen das Ausländergesetz inhaftiert, weil sie etwa keine Ausweispapiere und keine Duldung vorweisen konnten. Ein kleinerer Teil wurde straffällig. Käßmann appellierte an die rund 90 Mitarbeiter, die Gefangenen als einzelne Menschen mit einem Schicksal zu sehen, und nicht nur eine Nummer.

Die Seelsorger müssten mit den Ausländern oft darüber reden, warum sie überhaupt dort seien, sagte Anstaltspastorin Kathrin Winter-Winstoer:
"Das Ausländer-Gesetz ist abstrakt. Die Leute wissen häufig nicht, gegen was sie verstoßen haben." Auch würden oft Familienprobleme besprochen, wenn die Häftlinge etwa mit einem deutschen Partner liiert seien und Kinder hätten. Zudem entwickelten die Seelsorger mit den Menschen eine Perspektive für ihr Heimatland: "Viele sind sehr auf Deutschland fixiert."

Die Abschiebehaft dauert nach Angaben der Anstalt im Schnitt 20 Tage und reicht von einem Tag bis zu einem Jahr. Die meisten Häftlinge akzeptierten die Abschiebung und wollten so bald wie möglich in ihre Heimat zurückkehren, um die Haft zu verkürzen.
Am stärksten vertreten seien die Türken, unter ihnen auch Kurden, gefolgt von Jugoslawen und Polen. Ausländer aus Polen werden nach dem EU-Beitritt des Landes am 1. Mai nicht mehr inhaftiert. (epd
Niedersachsen-Bremen/b1178/21.04.04)

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