Brandanschlag auf Bremer Pastorin löst Entsetzen aus

Nachricht 07. April 2004

Kirche vermutet Zusammenhang mit Kresnik-Stück "Die Zehn Gebote"

Bremen (epd). Ein Brandanschlag auf eine Pastorin der evangelischen Friedensgemeinde in Bremen und ihre Familie hat Bestürzung und Entsetzen ausgelöst. Der Brandsatz wird mit Protestaktionen gegen das umstrittene Theaterstück "Die Zehn Gebote" von Johann Kresnik in Zusammenhang gebracht, das noch bis Juni in der Friedenskirche aufgeführt wird. "Dieser feige Mordanschlag macht mich sprachlos", sagte am Mittwoch der theologische Repräsentant der Bremischen Evangelischen Kirche, Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz, dem epd.

Nach Angaben der Polizei wurde der Brandsatz am frühen Mittwochmorgen in das Wohnzimmer der Familie mit drei Kindern geschleudert. Das Ehepaar musste mit einem Schock und Rauchvergiftungen in ein Krankenhaus gebracht werden, den Kindern sei "wie durch ein Wunder" nichts passiert, hieß es.

"Man kann von einem Brandanschlag sprechen", sagte ein Polizeisprecher. In den zurückliegenden Wochen wurden die Familie bereits mit der Schmiererei "Kirchenschänder" auf ihrem Haus beschimpft. Ein Stein mit dem Satz "Jagt die Pharisäer aus dem Tempel" landete im Wohnzimmer. Das Feuer hatte ein Nachbar bemerkt, der daraufhin die Feuerwehr verständigte und die Familie aus dem Schlaf klingelte. "Wenn das nicht passiert wäre, hätte es eine unglaubliche Katastrophe geben können", verurteilte Zobeltitz den Gewaltakt.

Besonders Nacktszenen in dem Stück über die Zehn Gebote hatten in den vergangenen Wochen gewaltbereite Kritiker auf den Plan gerufen. In der Stadt entstand schon vor der Premiere im Januar eine Hysterie. Sie wurde besonders durch die Berichterstattung einer Boulevardzeitung angestachelt und gipfelte in Schmähanrufen und Morddrohungen gegen Pastoren und Kirchenmitarbeiter.

Gemeindepastor Bernd Klingbeil-Jahr vermutet, dass die Aktionen aus christlich-fundamentalistischen und rechtsextremen Kreisen kommen. Vor der Premiere demonstrierten hingegen friedlich Pastoren der Bremer Arbeitsgemeinschaft Missionarische Kirche gegen die Aufführung. Auf ihrem Plakat war der Satz zu lesen "Mein Haus soll ein Bethaus heißen".

Die theologisch konservative Evangelische Allianz in Bremen verurteilte den Brandanschlag. Der Angriff sei "entsetzlich". Kritik an dem Stück und dem Aufführungsort könnten nur gewaltlos vorgebracht werden, sagte der Vorsitzende der Allianz, Pastor Bernd Bierbaum. Die Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, Brigitte Boehme, bedauerte "zutiefst die hysterischen und aggressiven Töne" in der Berichterstattung einiger Medien zu dem Stück. Hier müsse man möglicherweise auch die Ursache für den aktuellen Brandanschlag suchen. (epd Niedersachsen-Bremen/b1032/07.04.04)
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