Kues: Aktive Sterbehilfe wäre "verhängnisvoller Irrtum

Nachricht 07. April 2004

Hannover/Lingen (epd). Der Kirchenbeauftragte der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Hermann Kues, hat eine fraktionsübergreifende Initiative zur Freigabe der aktiven Sterbehilfe als "verhängnisvollen Irrtum" kritisiert. Sie widerspreche dem christlichen Menschenbild, sagte der Abgeordnete aus dem emsländischen Lingen am Mittwoch.
Unterstützt wurde er vom Hospiz-Experten der hannoverschen Landeskirche, Pastor Ralph Charbonnier. "Aktive Sterbehilfe, also die absichtliche Tötung eines Patienten auf seinen Wunsch hin, sollte aus ethischen Gründen verboten bleiben", sagte Charbonnier dem epd in Hannover.

Einem Bericht der Berliner Zeitung von Mittwoch zufolge unterstützen bis zu 35 Abgeordnete von SPD, FDP und Grünen einen Gesetzantrag für
ein Sterbehilfe-Gesetz. Initiator des Gruppenantrags ist der SPD-Abgeordnete Rolf Stöckel aus Unna. Er möchte das Strafgesetzbuch so ändern, dass Töten auf Verlangen nicht mehr unter allen Umständen strafbar ist, schreibt die Zeitung. Bisher müssen Sterbehelfer mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren rechnen.

Dagegen betont Kues, die Würde des Menschen könne nur bewahrt werden, wenn sie "uneingeschränkt und uneinschränkbar" bleibe. Mit dem Schritt zur Sterbehilfe würde sie jedoch zu einer Auslegungssache. Sterbehilfe sei die falsche Antwort auf die berechtigte Angst der Menschen vor Schmerzen. Stattdessen müsse das Sterben als Teil der Lebens in die Gesellschaft zurückgeholt werden. Dies bedeute, die schmerzlindernde Palliativmedizin und die Hospizarbeit konsequent zu fördern.

Hospizexperte Charbonnier forderte, die Selbstbestimmung des Patienten gesetzlich zu stärken. Wenn er auf eine Behandlung verzichten oder sie abbrechen wolle, sei die Rechtsunsicherheit der Ärzte groß. Darum würden auch Sterbende nicht selten noch allen medizinisch möglichen Behandlungen unterzogen und könnten nicht in Würde sterben. (epd Niedersachsen-Bremen/b1033/07.04.04)

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