Landeskirche: Bestattung im Sarg nicht zwingend

Nachricht 07. April 2004

Hannover (epd). Die hannoversche Landeskirche hat keine Bedenken gegen die von der FDP-Landtagsfraktion geforderte Lockerung der Sargpflicht bei Bestattungen in Niedersachsen. "Die Sargpflicht ist aus christlicher Tradition nicht zwingend, auch wenn die Sargbestattung bei uns eine lange und gute Tradition hat", sagte der evangelische Oberlandeskirchenrat Hans Christian Brandy am Dienstag auf epd-Anfrage.

Es sei zu begrüßen, wenn der Gesetzgeber Menschen anderer Religionen die Möglichkeit einräume, Tote entsprechend ihrer Traditionen zu bestatten. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Philipp Rösler hatte erklärt, eine Erdbestattung müsse für Angehörige bestimmter Religionen auch ohne Sarg möglich sein. Dies entspreche den Traditionen der Muslime und der Juden.

Brandy sagte weiter, der Auftrag der Kirche, Menschen angesichts des Todes zu begleiten, die Botschaft von der Auferstehung zu bezeugen und das Andenken der Verstorbenen zu wahren, sei grundsätzlich nicht an eine bestimmte Form der Bestattung gebunden. "Schwerwiegende Bedenken"
äußerte er allerdings gegen anonyme Bestattungen. Dies widerspreche der christlichen Überzeugung, dass jeder Mensch einmalig sei.

Auch sei es unverzichtbar, dass Bestattungen weiterhin an einem öffentlichen Ort geschähen. Gräber müssten als konkreter Ort der Trauer für jeden zugänglich sein. Brandy wandte sich damit gegen Forderungen der Grünen, den Bestattungszwang auf Friedhöfen aufzuheben. Ein entsprechender Antrag, der auch die Lockerung der Sargpflicht zum Inhalt hat, wird nach Informationen der Grünen-Landtagsfraktion derzeit in den Landtagsausschüssen beraten.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1023/06.04.04)
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