Theologiestudenten: Gute Aussichten auf dauerhafte Anstellung

Nachricht 18. März 2004

Umfrage bei Landeskirchen: Fast alle Bewerber werden ins Vikariat aufgenommen

Stuttgart (idea) - Die Aussichten von Theologiestudenten auf eine dauerhafte Anstellung bei einer der 23 evangelischen Landeskirchen sind weitgehend gut. Nur Westfalen und Sachsen übernehmen nicht alle Bewerber für ein Vikariat. Bei einigen Kirchen gibt es eine mehrmonatige Wartezeit zwischen erstem Universitäts-Examen und Dienstbeginn. Dies ergab eine idea-Umfrage. Voraussetzung für die Aufnahme in den Vorbereitungsdienst (so die offizielle Bezeichnung für das Vikariat) ist in der Regel, daß die Bewerber auf einer landeskirchlichen Liste der Theologiestudierenden stehen. Sie erklären damit bereits während des Studiums, in den Kirchendienst treten zu wollen, und die Kirchenleitungen verpflichten sich zu ihrer geistlichen Begleitung. Für Bewerber, die in ihrer Heimatkirche nicht zum Zuge kommen, lohnt sich ein Anruf bei den Ausbildungsdezernenten in Thüringen, Hessen-Nassau, Kurhessen-Waldeck und Württemberg. Dort und in Ausnahmefällen auch in Baden und Braunschweig werden externe Theologen genommen, sofern die Ausbildungskapazitäten nicht erschöpft sind. Angesichts der drastisch gesunkenen Studentenzahlen rechnen Experten damit, daß weitere Landeskirchen ihre Tore für externe Bewerber öffnen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der Studierenden für Pfarrberuf oder Religionsunterricht von rund 16.000 im Jahr 1984 auf 7.493 im Jahr 2003. Im Jahr 2000 waren es noch 8.200. Im selben Zeitraum ging die Zahl der Einträge in die landeskirchlichen Listen von 12.000 auf 2.657 zurück. Die Zahl der Neueinträge, die 1995 noch bei 738 lag, hat sich in den vergangenen Jahren bei 330 eingependelt. Die Landeskirchen befürchten langfristig einen Pfarrermangel und haben mit breit angelegten Werbekampagnen begonnen.

Personalplanung: Entscheidend sind Pensionierungen und Kirchensteuern
Auf Vikariat und zweites Examen folgt in der Regel eine mehrjährige Probezeit, in die fast alle Vikare bei entsprechender Eignung übernommen werden. Spezielle Aufnahmeverfahren gibt es in Baden, Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Hessen-Nassau und Pfalz sowie der Kirchenprovinz Sachsen. Neben der Beurteilung der persönlichen Fähigkeiten zur Ausübung des Pfarrberufs ist vor allem die Personalplanung der Kirche ausschlaggebend. Wesentliche Kriterien sind Prognosen über Mitgliederentwicklung, Pensionierungen und Kirchensteuern. In einigen Landeskirchen entscheiden die Gemeinden über die Anstellung von Jungtheologen. In der Evangelisch-reformierten Kirche und in der Lippischen Landeskirche sind externe Bewerbungen ausdrücklich zugelassen. In der Praxis werden aber eigene Kandidaten bevorzugt.

Tauschbörse für den Wechsel in eine andere Landeskirche
Während Versetzungen von Pfarrern innerhalb einer Landeskirche üblich sind, ist der Wechsel in eine andere Landeskirche nicht ohne weiteres möglich. Fast alle Kirchenleitungen erklären, fremde Pfarrer nur dann aufzunehmen, wenn bei ihnen im Gegenzug eine Stelle freigemacht wird. Dafür hat die EKD eine Tauschbörse entwickelt, in die Interessenten ihre Wechselwünsche eintragen. Im Idealfall findet man so einen Partner in der bevorzugten Kirche. Die EKD organisiert auch einen Ringtausch. (030/2004/2)

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