Brandes: "Niemand soll Angst vor dem Alter haben"

Nachricht 12. März 2004

Evangelische Kirchen und ihre Diakonie in Niedersachsen appellieren an Parlamentarier und bieten Zusammenarbeit an

Hannover, 11. März 2004. Die evangelischen Kirchen und ihre Diakonie in Niedersachsen setzen ihre Kampagne „Für Menschlichkeit in der Altenpflege“ fort. Am gestrigen Abend wurde den Abgeordneten des niedersächsischen Landtages die prekäre Situation in der Pflege geschildert. Pastor Henning Brandes, Vorsitzender der Diakonischen Werke in Niedersachsen, mahnte vor 80 Parlamentariern in Hannover: “Unsere Gesellschaft ist unvorbereitet auf die steigende Zahl alter Menschen. In Niedersachsen werden bis 2010 über den heutigen Stand von 70.000 stationären Pflegeplätzen weitere 8.000 benötigt.“ Darauf sei das Land in keinster Weise vorbereitet. Neben Investitionen fehle es an Fachkräften. Schon jetzt werden 1.500 Pflegekräfte in Niedersachsen gesucht. „Die Betreuung, Versorgung und Begleitung unserer alt gewordenen Mitbürgerinnen und Mitbürger ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung mit höchster Priorität. Niemand kann sich ihr entziehen,“ so Brandes.

Brandes forderte ein Gesamtkonzept für Menschlichkeit in der Altenpflege, „damit niemand in unserem Land Angst haben muss, alt und hilfebedürftig zu werden.“ Die Pflegeversicherung sei „mit ihrem Anspruch gescheitert, Menschen im Alter unabhängig von der Sozialhilfe zu machen und menschenwürdig zu versorgen. Pflege findet im Minutentakt statt. Für eine Pflege jenseits der Grundversorgung bleibt immer weniger Zeit.“ Brandes mahnte zudem die zunehmende Bürokratie an: „Rund ein Drittel ihrer Zeit müssen Pflegekräfte für Büroarbeiten aufwenden. Zeit, die in der Pflege fehlt.“ Inzwischen regeln 870 Seiten die Pflege alter und kranker Menschen – vom Pflegemittelverzeichnis bis zum Qualitätssicherungsgesetz. Er konstatierte weiter, dass „menschenwürdige Pflege nicht mehr ausreichend finanziert wird.“ 80 Prozent der ambulanten Dienste in der Diakonie schreiben bereits alarmierende rote Zahlen.

Brandes erinnerte mit dem Hilferuf des alttestamentlichen Psalmisten „Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde“ an die Verantwortung der Gesellschaft mit ihren „Großeltern“ würdig umzugehen. Er bietet einen kirchlich-politischen Dialog an. „Denn es ist Zeit, nicht nur zu verhandeln, sondern zu handeln, nicht gegen jemand, sondern Hand in Hand für mehr Menschlichkeit in der Altenpflege.“

Die Diakonie in Niedersachsen unterhält in 180 stationären Pflegeeinrichtungen 14.500 Plätze. Jeder 5. Heimbewohner lebt in einer diakonischen Einrichtung. Daneben werden durch die 175 Diakonie- und Sozialstationen rund 14.000 Pflegebedürftige betreut. Die Diakonie ist mit 50.000 Beschäftigten, davon allein 15.000 in der ambulanten und stationären Pflege, der größte Wohlfahrtsverband in Niedersachsen.

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