Landesbischöfin: Gesundheitspolitiker sollen die Wahrheit sagen

Nachricht 12. März 2004

Bad Pyrmont (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Gesundheitspolitiker aufgefordert, der Bevölkerung die Wahrheit über die Zukunft des Gesundheitswesens zu sagen. "Wenn das Bundesgesundheitsministerium und viele Krankenkassen behaupten, dass sich an der Qualität der Krankenversorgung nichts ändert, ist das eine Irreführung", sagte sie am Freitag in Bad Pyrmont.

Tatsache sei, dass die Zahl der Patienten in Krankenhäusern gestiegen sei, die Zahl der dort Beschäftigten aber zurückgehe. Somit sei im Gesundheitswesen nicht mehr alles bezahlbar, und die Krankenhäuser könnten nicht mehr alles tun. Käßmann sprach bei der Mitgliederversammlung des Evangelischen Krankenhausverbandes Niedersachsen. Ihr christliches Profil biete den Krankenhäusern die Möglichkeit, auf dem enger werdenden Gesundheitsmarkt zu bestehen, sagte die Bischöfin.

Dabei gehe es darum, den Patienten als ganze Person mit seinen Ängsten, Hoffnungen und Wünschen wahrzunehmen und ihn nicht auf seine Krankheit zu reduzieren. "Es geht nie um den Blinddarm von Zimmer 17", sagte Käßmann. Gefragt sei "nicht nur High-Tech, sondern auch High-Touch". Der soziale Status oder das Alter dürften nicht darüber entscheiden, ob eine Behandlung aus Kostengründen versagt wird.

Die Bischöfin plädierte für den Erhalt des solidarischen Gesundheitswesens, bei den die Starken für die Schwachen mit eintreten.
Krankheit dürfe nicht zum Armutsfaktor werden, und die eigenen Finanzmittel dürften nicht über Gesundheit und Krankheit entscheiden.
Das Gesundheitswesen müsse sich zuerst am Menschen orientieren und dabei seine Grenzen akzeptieren. Von den 203 Krankenhäusern in Niedersachen sind 27 in evangelischer Trägerschaft. Sie haben rund 6.000 Betten und etwa 12.000 Beschäftigte. (epd Niedersachsen-Bremen/b0750/12.03.04)
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