Landesbischöfin: Muttersein stellt Frauen vor Zerreißprobe

Nachricht 11. März 2004

Hannover (epd). Das Muttersein stellt viele Frauen nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann vor eine Zerreißprobe. Frauen mit Kindern passten nicht in die neue Kultur "mobiler kinderloser Singles", die keine familiäre Bindung und kein soziales Umfeld mehr haben sollten, sagte Käßmann am Mittwochabend bei den 17. Kulturtagen in Hannover-Langenhagen.

Doch auch das Leben der Frauen an sich sei ein Armutsrisiko. In einer Untersuchung über den Brutto-Stundenverdienst von Frauen habe Deutschland im EU-Vergleich am schlechtesten abgeschnitten. Im öffentlichen Sektor verdienten sie nur 77 Prozent dessen, was Männer erhielten, in der Privatwirtschaft sogar nur 73 Prozent.

Die zunehmende Geringschätzung der weiblichen Arbeitskraft spiegele sich auch in den Arbeitsverhältnissen wider, die durch die Hartz-Gesetze geregelt werden. Immer mehr norma-le Arbeitsplätze würden in geringfügige Beschäftigung, Leiharbeit und Ich-AG's umgewan-delt. Schon jetzt hätten viele Frauen nur noch befristete Verträge, kritisierte die evangelische Bischöfin.

Zunehmend würden Stellen von Hauswirtschafterinnen, Alten- und Krankenpflegerinnen sowie Erzieherinnen als haushaltsnahe Dienstleistungen zu Minijobs gemacht. Hier handele es sich um Jobs, "von denen eine Frau nicht leben kann und in denen sie auch keinen sozialen Schutz erwirbt", sagte Käßmann. (epd Niedersachsen-Bremen/b0732/11.03.04)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
E-Mail: epd@lvh.de