Lutherische Bischöfe befürworten Friedwälder

Nachricht 10. März 2004

Bückeburg (epd). Die deutschen lutherischen Bischöfe haben sich für eine Öffnung ge-genüber neuen Bestattungsformen ausgesprochen. “Wir könnten uns eine größere Vielfalt auf den Friedhöfen vorstellen”, sagte der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Hans Christian Knuth aus Schleswig, am Mon-tag vor Journalisten bei einer Klausurtagung im niedersächsischen Bückeburg. So halte er Bestattungen auf so genannten “Friedwäldern” für denkbar.

Entscheidend sei aus evangelischer Sicht, dass die Grabstelle öffentlich zugänglich ist und dass ein Namensschild sowie christliche Symbole wie das Kreuz angebracht werden. Die “esoterische Vorstellung”, dass ein Mensch in den Ästen eines Baumes weiterlebe, lehnte Knuth ab. Bei Friedwäldern wird die Asche eines Verstorbenen auf einem dafür ausgewiesenen Grundstück im Wald am Fuß eines Baumes beigesetzt.

Die Bischöfe kritisierten zugleich eine “Überregulierung” des Friedhofswesens, etwa bei Grabsteinen und Grabeinfassungen. Die Vorschriften wirkten einengend. “Sie lassen den persönlichen Wünschen der Angehörigen nur wenig Raum”, sagte der schaumburg-lippische Landesbischof Jürgen Johannesdotter aus Bückeburg. Der mecklenburgische Landesbischof Hermann Beste sprach sich für besondere Gräberfelder auf Friedhöfen aus, auf denen Tot- und Fehlgeburten beigesetzt werden. Friedwälder sind in den vergangenen zwei Jahren in mehreren Bundesländern entstanden. In der evangelischen Kirche haben sie zu kontroversen Diskussionen geführt, die katholische lehnt sie ab. Landesbischof Knuth sagte, im Friedwald sei eine Grabstätte leichter auffindbar als etwa bei einer Seebestattung. Zur VELKD gehören acht evangelische Landeskirchen zwischen Nordelbien, Bayern und Sachsen. Sie repräsentiert bundesweit etwa 10,4 Millionen Gemeindeglieder. (epd Niedersachsen-Bremen/b0696/08.03.04)
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