"Netzwerk Mirjam" hilft Schwangeren rund um die Uhr

Nachricht 05. März 2004

Hannover (epd). Das "Netzwerk Mirjam" der hannoverschen Landeskirche hat seit seiner Gründung im März 2001 zahlreichen Frauen in Schwangerschaftskonflikten helfen können. Mehr als 400 Frauen hätten sich über das 24-Stunden-Notruf-Telefon beraten lassen, sagte Landesbischöfin Margot Käßmann am Freitag vor Journalisten in Hannover.
27 Frauen habe das Netzwerk bis zur Geburt ihres Babys und darüber hinaus begleitet.

Von den 27 Hilfesuchenden behielten acht ihr Kind und 19 entschieden sich für eine Adoption. Nur fünf von ihnen hätten darauf bestanden, anonym zu bleiben. "Die Nöte und Gefahren, mit denen schwangere Frauen konfrontiert sind, werden von uns wahrgenommen, aber nicht bewertet", sagte die evangelische Bischöfin. Die Schicksale der Betroffenen zeigten immer wieder, wie wichtig eine Vernetzung der verschiedenen Angebote sei.

Zum "Netzwerk Mirjam" gehören ein "Babykörbchen" am hannoverschen Friederikenstift, das bisher von drei Frauen genutzt wurde, sowie ein Notruf-Telefon. Unter der Nummer 0800- 60 500 40 werden die Anruferinnen rund um die Uhr beraten. Käßmann zufolge rufen verzweifelte Frauen jedes Alters an: "Erst vor kurzem hat sich ein 14-jähriges schwangeres Mädchen Unterstützung geholt, das sich zunächst nicht traute, mit seiner Mutter zu sprechen."

Neben der Hotline und dem Babykörbchen arbeitet das Projekt "Mirjam"
eng mit diversen diakonischen Einrichtungen zusammen. Hier werden die Frauen vor und nach der Geburt betreut, erhalten Wohnmöglichkeiten und nehmen gemeinsam mit den Beraterinnen Probleme in Ausbildung und Beruf in Angriff, sagte Birgit Grendler-Struck vom hannoverschen "Birkenhof".

Das "Netzwerk Mirjam" gelte mit seinen Hilfsmöglichkeiten rund um Schwangerschaft und Geburt als das umfassendste in Deutschland, sagte Käßmann. In einer Feierstunde zum dreijährigen Bestehen der Einrichtung bedankte sie sich vor allem bei den zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, von denen einige bereits bis zu 1.000 Stunden Telefon-Dienst an der Hotline geleistet haben.

Auch drei Adoptiv-Eltern von "Mirjam"-Babies waren anwesend. Sie lobten besonders die Betreuung durch das Diakonische Werk. In regelmäßigen Gesprächskreisen könnten sie sich über alle Probleme austauschen und erhielten kompetente Beratung: "Diese ständige Begleitung ist für uns sehr entlastend und hilfreich", sagte ein Ehepaar. (epd Niedersachsen-Bremen/b0670/05.03.04)

-> s. http://www.netzwerk-mirjam.de

"Mirjam" steht Schwangeren in Not zur Seite - Kirchliches Netzwerk organisiert Hilfe für verzweifelte Frauen

Von Ulrike Millhahn (epd) =

Hannover (epd). "Ich bin unverheiratet. Ich bin Muslimin und kann das Kind leider nicht behalten", sagt die junge Frau leise. Sie hält ihr Neugeborenes im Arm und streichelt es liebevoll. Wenige Stunden zuvor hat sie sich als Notfall im hannoverschen Friederikenstift gemeldet.
"Gerade noch rechtzeitig", sagt Christine Schnorrenberg. Die Koordinatorin des Projektes "Mirjam - Ein Netzwerk für das Leben" hat die Muslimin sofort nach der Geburt besucht und beraten.

Doch der Entschluss der Frau, die anonym bleiben wollte, stand bereits fest: "Sie hat sich sehr zärtlich von ihrem Baby verabschiedet, zwei Fotos von ihm mitgenommen und es zur Adoption freigegeben", erzählt Sozialarbeiterin Schnorrenberg. Sie ist eine von zwei hauptamtlichen und rund 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des kirchlichen Netzwerkes "Mirjam".

Das Netzwerk wurde im März 2001 auf Initiative der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann für schwangere Frauen in Not ins Leben gerufen. Zu dem Projekt gehört ein Babykörbchen am evangelischen Friederikenstift, in das verzweifelte Mütter ihre Neugeborenen unerkannt ablegen können. Doch das Körbchen ist nur ein Teil des Projektes, betont Käßmann, selbst Mutter von vier Töchtern: "Es geht uns nicht um eine spektakuläre Aktion, sondern darum, Frauen und Mädchen in Not zu unterstützen."

In den meisten Fällen nehmen die schwangeren Frauen über das Notruf-Telefon des Netzwerkes Kontakt zu den Mitarbeiterinnen auf. Unter der Nummer 0800-60 500 40 können sie sich rund um die Uhr beraten lassen. "Bisher hatten wir etwa 400 ernsthafte Nachfragen", sagt Schnorrenberg. Viele Anruferinnen seien mit ihrer unerwarteten Schwangerschaft überfordert und ratlos: "Wer sich von allen verlassen fühlt, kann nicht klar denken, sondern braucht Zuwendung und praktische Hilfe", sagt Käßmann.

Manche Telefonberatungen führen dann zu persönlichen Treffen.
Schnorrenberg und ihre Kolleginnen begleiten die häufig sehr jungen Frauen nicht nur während der Schwangerschaft: "Wir sind auf Wunsch auch im Kreißsaal dabei und betreuen die Mütter weiterhin." Das Netzwerk vermittelt Wohnmöglichkeiten und nimmt mit den Frauen auch Probleme in Ausbildung und Beruf in Angriff. Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Spenden.

Bisher konnte so 27 Schwangeren geholfen werden. 19 gaben ihr Baby zur Adoption frei, acht entschieden sich, es zu behalten. Dazu gehört eine Auszubildende, die ihren Säugling aus Angst vor der Reaktion ihrer Eltern erstmal ins "Babykörbchen" legte. Wenige Tage darauf meldete sie sich über den Notruf. "Ein halbes Jahr später hat sie uns mit ihrem Sohn nach seiner Taufe besucht", erzählt Schnorrenberg. Die junge Mutter ist eine von drei Frauen, die das Körbchen bisher genutzt haben.

Wenn die Mütter keine Chance für ein gemeinsames Leben mit ihrem Kind sehen, vermittelt der Adoptionsfachdienst der Diakonie die Säuglinge von der Klinik direkt in eine Familie: "Die Mütter fällen diese Entscheidung niemals leichtfertig, die meisten sind in ausweglosen Lebensumständen", sagt Schnorrenberg.

Während im Januar im hessischen Reinheim, in Bad Wildungen, in Hamburg und zuletzt am vergangenen Freitag in Grebenstein bei Kassel wieder einmal vier getötete Neugeborene gefunden wurden, lebt das Baby der jungen Muslimin bereits bei seinen Adoptiveltern. "Wir sind dankbar für jedes Leben, das durch das Netzwerk und das Babykörbchen geschützt werden kann", sagt Margot Käßmann. (epd Niedersachsen-Bremen/b0313/05.03.04)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
E-Mail: epd@lvh.de