Thierse und Käßmann unterstützen weiter Kopftuchverbot

Nachricht 23. Januar 2004

Wolfsburg (epd). Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat erneut das Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen unterstützt. Bei einem Empfang des Diakonischen Werkes Wolfsburg am Donnerstagabend bezeichnete der SPD-Politiker das Kopftuch als "Symbol für die Unterdrückung der Frau" und als Zeichen der "Nicht-Gleichberechtigung". Die Gleichberechtigung von Mann und Frau sei aber ein Grundwert der Verfassung der Bundesrepublik. Ähnlich argumentierte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann am Freitag in einem Interview des Norddeutschen Rundfunks.

Thierse berichtete, in Berlin gebe es eine größere Gruppe muslimischer Frauen, die dringend das Kopftuchverbot fordern. In Berlin beobachte er auch eine erhebliche Zunahme der Zahl der Trägerinnen eines Kopftuches. Er bezweifele jedoch, dass diese Entwicklung etwas mit Religion zu tun habe.

Am Donnerstagvormittag hatte Bundespräsident Johannes Rau zur Toleranz und Gleichbehandlung der Religionen aufgerufen und sich erneut gegen das von einigen Bundesländern geplante Kopftuchverbot für Lehrerinnen ausgesprochen. Rau berief sich dabei auf den Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781). Thierse ging nicht direkt auf die Rau-Rede ein, meinte aber, Toleranz im Lessingschen Sinne sei keine Toleranz der Beliebigkeit, sondern "eine herbe Tugend", die das Einstehen für die eigene Überzeugung erfordere.

Landesbischöfin Käßmann ging in dem Hörfunkinterview ebenfalls auf Distanz zu der Rau-Rede. Käßmann warnte vor einer "Kultur der Angst", die islamische Mädchen daran hindern könnte, sich vom Kopftuch zu befreien. Das Kopftuch sei ein Zeichen für Islamismus und Unterdrückung, meinte auch die evangelische Bischöfin. Es werde für politische Zwecke benutzt. Beamten sollte das verboten werden. (epd Niedersachsen-Bremen/b0219/23.01.04)
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