Erklärung der Landesbischöfin zur Theateraufführung in Bremen

Nachricht 22. Januar 2004

Erklärung der Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann zur geplanten Aufführung des Theaterstücks "Die Zehn Gebote" im Bremer Dom:

Mit Blick auf Anfragen der Medien hinsichtlich jüngster Äußerungen des Bremer Theaterintendanten Herrn Pierwoß, ist mir wichtig zu klären, dass hier offensichtlich zwei unterschiedliche Diskussionen nebeneinander her laufen. Mir geht es um die Grundsatzfrage der Würde des gottesdienstlichen Raumes und der Gefühle von Gläubigen, die mit diesem Raum verbunden sind. Das ist für unsere evangelische Kirche eine bundesweite Herausforderung und notwendige Auseinandersetzung. Herr Pierwoß argumentiert mit Blick auf dieses eine Stück in Bremen und konzentriert sich in seiner Argumentation darauf, dass Nacktheit dargestellt werden darf und wenn nicht, ein Bilderverbot verhängt werde.

Meines Erachtens muss vom Gotteshaus her gedacht und je neu gefragt werden, ob der kirchliche Raum lediglich benutzt wird, um Aufmerksamkeit zu erregen. Dafür sind jene nackten alten Frauen an Nähmaschinen in Kresniks Stück in Bremen ein Beispiel, weil sie lediglich im Kirchenraum noch öffentliche Erregung erzeugen wie es in keinem Theater mehr der Fall wäre. Ein solcher Vorgang ist für mich ein Missbrauch des kirchlichen Raumes und schlicht Effekthascherei. Warum will er dieses Stück in einer Kirche aufführen, einem Raum, mit dem er selbst gar nichts verbindet? Vielleicht muss man sich diese Szene in einer Moschee, einer Synagoge oder auch einer römisch-katholischen Kirche vorstellen, um sich klar zu machen, wovon ich spreche.

Auf den Vorwurf von Herrn Pierwoß, meine Haltung sei „anti-aufklärerisch“, kann ich nur sagen: Eine Kirche wird nicht dadurch modern, dass sie Nackte im Gotteshaus auftreten lässt. Theater, Kunst, Kultur und inhaltliche Auseinandersetzung in der Kirche befürworte ich. Aber es gibt Grenzen des Respekts vor unserem Glauben und einem Ort, an dem Gebet, Gottes Wort, die Feier des Abendmahls im Mittelpunkt stehen. Wir erleben in den letzten Jahren, wie die besondere Spiritualität unserer evangelischen Kirchen von vielen Menschen neu entdeckt wird etwa in Stille, Meditation und Gebet oder auch durch die Kirchenpädagogik. Es gilt, sensibel mit diesen durchbeteten Räumen umzugehen.

Da nun meine Äußerungen in den Medien immer wieder lediglich mit dem Bremer Stück in Verbindung gebracht werden und ihm so noch zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen, werde ich mich in diesem Zusammenhang nicht mehr äußern.

Hannover, 16. Januar 2004
Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann

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