Diakonie Kästorf: Praxisgebühr trifft Ärmste der Armen

Nachricht 19. Januar 2004

Gifhorn (epd). Die Gesundheitsreform mit der Praxisgebühr trifft nach Auffassung der Diakonischen Heime Kästorf und der Stiftung Wohnen und Beraten die Ärmsten der Armen. Die Reform werde nur kopfschüttelnd ausgeführt. Der hohe Verwaltungsaufwand zehre den Gewinn aus der Praxisgebühr auf, kritisierte am Montag der Theologe Hans-Peter Hoppe, der die beiden Einrichtungen leitet.

Die Diakonie in Kästorf beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter mit Schwerpunkten in der Wohnungslosen-, Jugend- und Altenhilfe. Mit viel Mühe habe man daran gearbeitet, die ärztliche Versorgung der Heimbewohner möglichst niedrigschwellig anzubieten, schreibt Hoppe im "Kästorfer Infobrief".

Der Nutzen liege auf der Hand: Der rechtzeitige Weg zum Arzt erspare häufig längere Leiden und damit auch Kosten. Die Praxisgebühr errichte dagegen für Menschen, deren Barschaft kaum zum Nötigsten reiche, eine unüberwindbare Schwelle, befürchtet Hoppe.

Der moderne Sozialstaat habe seit dem Krieg erfolgreich daran gearbeitet, die grundlegenden Versorgungsmöglichkeiten für alle vorzuhalten. Nun führe die "Modernisierung" wieder zurück in die Zeiten, in denen die Armut am Gesundheitszustand erkennbar gewesen sei. In Gesprächen gäben Politiker zu, diesen Personenkreis übersehen zu haben. (epd Niedersachsen-Bremen/b0142/19.01.04)

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