Landesbischöfin erneuert Kritik an Bremer Theaterstück

Nachricht 15. Januar 2004

Hannover/Bremen (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat ihre Kritik an dem umstrittenen Theaterstück "Die Zehn Gebote" erneuert. Sie werde am 22. Januar nicht zur Premiere in die evangelische Friedenskirche nach Bremen fahren, sagte sie am Donnerstag auf epd-Anfrage in Hannover.

Sie habe den Intendanten Klaus Pierwoß vielmehr zu einer Podiumsdiskussion nach Hannover eingeladen, weil es hier um die Grundsatzfrage der Würde des gottesdienstlichen Raumes und damit um die Gefühle von Gläubigen gehe. Pierwoß, der diese Einladung abgelehnt hat, argumentiere nur mit Blick auf dieses eine Stück und konzentriere sich darauf, dass Nacktheit dargestellt werden dürfe, sagte Käßmann.

Sie frage sich aber, ob jene nackten alten Frauen an Nähmaschinen gerade im Kirchenraum die Aufmerksamkeit erzeugen sollten, die sie in einem Theater nicht mehr hätten. Dies wäre ein Missbrauch des kirchlichen Raumes und Effekthascherei. "Vielleicht muss man sich diese Szene in einer Moschee, einer Synagoge oder auch einer katholischen Kirche vorstellen, um sich klar zu machen, wovon ich spreche", betonte die evangelische Theologin.

Zu dem Vorwurf von Klaus Pierwoß, ihre Haltung sei "anti-aufklärerisch", könne sie nur sagen, eine Kirche werde nicht dadurch modern, dass "sie Nackte im Gotteshaus auftreten lasse". Es gebe Grenzen des Respekts vor dem Glauben und dem Ort, an dem das Gebet, Gottes Wort und die Feier des Abendmahls im Mittelpunkt stünden.

Die zunächst öffentlichen Proben zu der Inszenierung des Stückes hatten im Dezember zum Eklat geführt: Pastoren und Vorstand des ursprünglich als Premierenort vorgesehenen Bremer Doms setzten das Ensemble vor die Tür, das daraufhin in die Friedenskirche umzog. Dort wird nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit geprobt. (epd Niedersachsen-Bremen/b0111/15.01.04)

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