Diakonie Himmelsthür will finanzielle Notlage abwenden

Nachricht 12. Januar 2004

Hildesheim (epd). Um eine akute finanzielle Notlage abzuwenden, haben die Diakonischen Werke Himmelsthür in Hildesheim und ihre Mitarbeitervertretung einen Sanierungsvertrag geschlossen. Danach sollen die rund 1.750 Beschäftigten in Niedersachsens größter Einrichtung für geistig behinderte Menschen 2004 und 2005 auf die Auszahlung des Weihnachtsgeldes verzichten, erläuterte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Reese am Freitag vor Journalisten.

Das eingesparte Geld in Höhe von jährlich 2,34 Millionen Euro soll in eine Rückstellung überführt werden. Hintergrund ist ein Rechtsstreit der Einrichtung mit dem Land Niedersachsen um die Höhe von Pflegesätzen. Das Verwaltungsgericht Hannover muss entscheiden, ob Himmelsthür den höheren Pflegesatz von etwa 114 Euro pro Tag und Bewohner statt zuvor etwa 110 Euro zu Recht erhält. Sollte das Land Recht bekommen, müssen die Diakonischen Werke einen Millionenbetrag zurückzahlen.

Der Prozess kann sich laut Reese bis 2007 oder 2008 hinziehen. Rund 80 Prozent der Mitarbeiter haben nach seinen Angaben dem Sanierungsvertrag bereits zugestimmt. Um das Vorhaben umzusetzen, sei eine Zustimmungsquote von 90 Prozent erforderlich. Im Gegenzug erhalten die Mitarbeiter eine Arbeitsplatzgarantie. Wer nicht zustimmt, muss laut Reese im Sinne der Gleichbehandlung aller Mitarbeiter mit einer Änderungskündigung rechnen.

Sollte das Konzept scheitern, müsse die Einrichtung über betriebsbedingte Kündigungen nachdenken. Wie Reese ausführte, haben die Diakonischen Werke seit Anfang 2003 ihr Personal von etwa 2.000 Voll- und Teilzeitstellen auf derzeit 1.750 Stellen verringert. Parallel zum Sanierungsvertrag soll die Arbeit weiter rationalisiert werden. Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten sei es gekommen, weil die Personalkosten schneller gestiegen seien als die Pflegesätze, erläuterte Reese.

Himmelsthür beschäftigt etwa 650 Mitarbeiter am Stammsitz in Hildesheim und mehr als 1.000 an weiteren 20 Standorten in Niedersachsen, unter ihnen Wildeshausen bei Oldenburg, Gifhorn, Nienburg, Bad Pyrmont und Wietze bei Celle. Das Haushaltsvolumen der Einrichtung liegt bei etwa 80 Millionen Euro im Jahr. (epd Niedersachsen-Bremen/b0055/09.01.04)
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