Beratungszentrum geht neue Wege bei Krisenintervention

Nachricht 05. Januar 2004

"In akuter Not brauchen Jugendliche anonymen Schutz"
Hannover: Beratungszentrum geht neue Wege bei Krisenintervention

Von Ulrike Millhahn (epd)

Hannover (epd). Eigentlich möchte Cora lieber mit einem "realen" Menschen reden: "Aber dummerweise fehlt mir der Mut dazu", schreibt sie in ihrer E-Mail an das Evangelische Beratungszentrum in Hannover. Nachdem die Jugendliche durch mehrere Mails Vertrauen zu einer Beraterin aufgebaut hat, vereinbart sie dann doch einen Gesprächstermin. Dies ist das Besondere an dem Angebot: Aus der anonymen Beratung im Netz kann auf Wunsch jederzeit ein persönliches Treffen werden.

"Jugendliche und junge Erwachsene suchen in Notsituationen erstmal den Schutz der Anonymität", sagt der hannoversche Lebensberater, Diplom-Psychologe Axel Kreutzmann. Deshalb habe er mit seinen Mitarbeitern vor eineinhalb Jahren mit der Testphase für eine kostenlose E-Mail-Beratung begonnen. Schnell zeigte sich, dass das Angebot von Menschen zwischen 14 und 30 Jahren gut angenommen wird.

"Viele Anfragen werden aus akuten Krisen heraus gestellt", sagt Kreutzmann. Die Schwelle für die Ratsuchenden ist niedrig: keine Anmeldung, keine Termine, keine Wartezeiten. Über Konflikte mit den Eltern, Schulschwierigkeiten oder Notlagen wie Drogenkonsum, Schwangerschaft oder Gewalterfahrungen lasse sich im ersten Schritt leichter schreiben als reden.

"Auch Jugendliche, die einsam oder verzweifelt sind oder Selbsttötungsgedanken haben, finden über das Internet eher den Weg zu einem anderen Menschen", betont Kreutzmann. Besonders für Suizidgefährdete sei die Wahrung eines Schutzraumes wichtig.

Viele, die per E-Mail Hilfe suchten, bleiben nach den Erfahrungen des Psychologen auch bei diesem Medium. Doch das ist nicht immer so. "Ist über den niedrigschwelligen Zugang des Internets der Kontakt erst einmal hergestellt, gibt es durchaus auch Wünsche nach einem weiterführenden, vertiefenden Gespräch."

Diese Nachfragen haben die Lebensberater nach Abschluss der Testphase dazu ermutigt, von Januar an eine landesweite zentrale Beratung unter www.ev-beratungszentrum.de anzubieten. Falls die Ratsuchenden darüber hinaus ein persönliches Gespräch wünschen, können sie sich an eine der insgesamt 30 evangelischen Beratungsstellen in Niedersachen wenden. Mit rund 10.000 Flyern wird für dieses neue Angebot jetzt in Schulen, Jugendzentren und Kirchengemeinden geworben. (epd Niedersachsen-Bremen/b3868/30.12.03)
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