Landesbischöfin: Kopftuch mit Kreuz nicht vergleichbar

Nachricht 04. Januar 2004

Hannover (epd). Die hannoversche evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann hat ein Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen an Schulen befürwortet. Gleichzeitig wies sie Forderungen zurück, als Konsequenz auch christliche Symbole aus öffentlichen Räumen zu verbannen. Ein Kreuz, ein Davidstern oder auch ein Halbmond als Schmuckstück seien mit dem Kopftuch nicht vergleichbar, sagte Käßmann am Sonntag dem epd. Diese seien keine politischen Symbole, sondern eine "zurückhaltende Kennung der Religionszugehörigkeit" und damit mit dem Neutralitätsgebot von Beamten durchaus vereinbar.

Das Kopftuch sei nicht einfach ein religiöses Symbol, sondern auch ein politisches, das zudem die Gleichstellung von Mann und Frau sichtbar in Frage stelle, fügte die Bischöfin hinzu: "Daher kann eine Frau im Staatsdienst, die ja für die Grundüberzeugungen der Verfassung einstehen muss - ob nun Lehrerin oder Richterin - meines Erachtens nicht dienstlich mit diesem Symbol tätig sein."

Schülerinnen und Schüler müssten sich ebenso wie ihre Eltern darauf verlassen dürfen, dass in der Schule als "Lernort der Freiheit" ein Menschenbild vermittelt wird, das der Verfassung entspricht, so Käßmann weiter. Das Kopftuch tut dies nach Ansicht der Landesbischöfin nicht. Gerade für Schülerinnen, die "um Freiheit vom Kopftuch kämpfen", stelle dies eine schwierige Einflussnahme dar.

Aber auch Schüler, die Mädchen und Frauen keinesfalls als gleichberechtigt ansehen, könnten sich dadurch bestätigt fühlen. Käßmann: "Als Christin würde ich zudem sagen, dass es keiner äußeren Zeichen bedarf, meine innere religiöse Haltung zu zeigen und zu leben."

Bundespräsident Johannes Rau hatte sich im Kopftuchstreit für eine Gleichbehandlung der Religionen ausgesprochen. Wenn man das Kopftuch als religiöses Erkennungszeichen an Schulen verbietet, könne man die Mönchskutte nur schwer verteidigen, sagte er. Insbesondere Unions-Politiker und Teile der Kirchen übten scharfe Kritik an dieser Auffassung. Die Identität Deutschlands als christlich geprägtes Land dürfe nicht in Frage gestellt werden, hieß es unter anderem. (epd Niedersachsen-Bremen/b0008/04.01.04)

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