Käßmann fordert Kirche zu mehr Kinderfreundlichkeit auf

Nachricht 31. Dezember 2003

Hannover/Berlin (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Kirche dazu aufgefordert, sich stärker für eine kinderfreundliche Gesellschaft einzusetzen. "Ist es nicht so, dass einerseits das Kinderkriegen glorifiziert wird, andererseits eher skeptische Blicke zu ernten sind, wenn Frauen mit Kindern auch noch berufstätig sein wollen?", schreibt die evangelische Theologin in der Anfang Januar in Berlin erscheinenden Monatszeitschrift "zeitzeichen".

Käßmann, die selbst Mutter von vier Töchtern ist, kritisiert, dass immer wieder den Frauen nach dem Motto die Schuld gegeben werde "Wenn sie sich etwas mehr zusammenreißen würden und ihre Männerfeindlichkeit überwinden könnten, hätten wir mehr Kinder". Dabei zeigten Studien, dass 63 Prozent der Kinder aus ärmeren Familien angaben, ihre Väter hätten nicht genug Zeit für sie. 52 Prozent dieser Kinder sagten, sie seien häufig traurig und ein Drittel glaubt, dass Erwachsene Kinder nicht so gern mögen.

Auch in der Kirche werde der Ruf nach mehr "Mut zum Kind" lauter. Es sei jedoch zu fragen, ob die kirchlichen Arbeitgeber wirklich "grandiose Stellenpläne" für Frauen mit Kindern hätten und ob offensiv Frauen eingestellt würden, die schwanger werden könnten. Die Landesbischöfin weist darauf hin, dass nur ein Drittel der unterhaltspflichtigen Männer den vollen Unterhalt zahle: "Ermutigen wir nicht zum Kind, solange nicht in der Kirche selbst vorbildliche Verhältnisse entstehen. Da haben wir in der Tat noch viel zu tun." (epd Niedersachsen-Bremen/b3879/30.12.03)
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