Aus den Weihnachtsbotschaften und Weihnachtspredigten

Nachricht 25. Dezember 2003

der Leitenden Geistlichen in der EKD:
Bischof Wolfgang Huber
Bischof Christoph Kähler
Landesbischöfin Margot Käßmann
Präses Nikolaus Schneider
Bischof Martin Hein
Bischof Hans-Christian Knuth
Kirchenpräsident Peter Steinacker
Kirchenpräsident Helge Klassohn
Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz
Bischof Axel Noack
Präses Manfred Sorg
Landesbischof Johannes Friedrich
Kirchenpräsident Eberhard Cherdron
Landesbischof Gerhard Maier
Landesbischof Ulrich Fischer

Bischof Wolfgang Huber, Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg, Vorsitzender des Rates der EKD

Die Botschaft „Euch ist heute der Heiland geboren“ habe das erste Weihnachtsfest ausgelöst, erläutert der Rastvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, im Gottesdienst am Heiligen Abend im Berliner Dom. Die Ärmsten der Armen hätten damals als schnellsten gehört und gesehen. Dass damit die Ärmsten zuerst von der Geburt des Heilands erfahren haben, bleibe dem christlichen Glauben seither eingestiftet. „Weihnachtlich geht es zu,“ so Bischof Huber, „wenn niemand ausgeschlossen wird und auch die Ärmsten im Blick sind“.

Dass Gott Mensch geworden sei, scheine keine direkte Antwort auf die neue soziale Unsicherheit zu sein. Aber die Weihnachtserfahrung mache gewiss, dass die Menschen bei Gott gut aufgehoben seien. Daraus könne Mut zur Zukunft und sogar Mut zu wirklichen Reformen wachsen, so Wolfgang Huber. Das Kind in der Krippe solle nicht nur angebetet werden, sondern hineingenommen werden in das Leben: „Unser christliches Leben muss erwachsen werden – wie ja auch Jesus, das Kind in der Krippe erwachsen wurde. Die praktischen Vorschläge für das Erwachsenwerden lauten nach den Worten des Ratsvorsitzenden: „besonnen, gerecht und mit Achtung vor Gott leben“. Dabei meine besonnne nicht, züchtig zu sein in einem moralinsauren Sinn des Wortes: unerotisch, spaßfern und ungenießbar. Sondern besonnen zu sein heiße, Vertrauen aufzubauen statt es zu zerstören, verlässlich zu sein und vom andern her zu denken, so Huber. Gerecht leben heiße in diesem Zusammenhang, so der Ratsvorsitzende, dass die Zumutungen solidarisch verteilt und die Schwachen nicht im Stich gelassen werden. Die Achtung vor Gott fordere heraus, an den Grundformen des christlichen Glaubens festzuhalten, sie wieder zu beleben, sie anzubieten und weiter zu erzählen, erläutert Wolfgang Huber. Das fange mit dem Einfachsten an, führt der Bischof von Berlin Brandenburg aus: „In der Bibel lesen und dies nicht nebensächlich finden; das ‚Vater unser’ auswendig kennen und es auch für Kinder und Enkel für zumutbar halten; über Gott und unseren Glauben reden, aufrecht und ehrlich, suchend und fragend, werbend und einladend, aber nicht schüchtern und leise. Zu unserer Kirche gehen und stehen, auch wenn uns nicht alles an ihr gefallen kann.“

Landesbischof Christoph Kähler, Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen,
Stellvertretender Vorsitzender des Rates der EKD

Für eine stärkere Integration von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern hat sich der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, Christoph Kähler, anlässlich des Weihnachtsfestes ausgesprochen.

Kähler erinnerte an die Rolle der heiligen drei Könige im Weihnachtsgeschehen: Die drei Könige würden oft als Vertreter der Erdteile Asien, Afrika und Europa dargestellt. Sie gelten als die ersten Ausländer an der Krippe mit dem Jesuskind. Die Weihnachtsfamilie habe die Fremden ganz selbstverständlich aufgenommen. "Im Stall von Bethlehem begegnet uns Gott ganz nah, als Mensch, als Menschenbruder. Dabei ist jede und jeder, auch aus den fremdesten Ländern willkommen. Die Friedensbotschaft, die von Jesus ausgeht, betrifft alle Menschen. Sie macht alle zu Brüdern und Schwestern, weil wir Kinder eines Vaters, Kinder Gottes sind. Das ist die Botschaft, die die drei Weisen aus dem Morgenland in die Weihnachtsgeschichte hineintragen und die sie mit in die Welt hinausnehmen."

Eine Welt der Globalisierung und Europäisierung fordere heute zu einem wachsenden interkulturellen Zusammenleben vor Ort heraus. "Ob wir Fremde integrieren oder ignorieren hängt daran, ob wir aufeinander zugehen, uns kennen lernen, ins Gespräch kommen", sagte Kähler. "Die Weihnachtsgeschichte kann uns dabei helfen. Wenn wir genau hinschauen, werden wir Europäer uns in einem der drei heiligen Könige wiederfinden - als Ausländer. Wir waren und sind selbst Fremde vor der Krippe mit dem Jesuskind."

Kähler warb gegenüber den Kirchgemeinden dafür, Möglichkeiten für Begegnungen mit Zuwanderern zu schaffen. Er sieht auch die Kommunen herausgefordert und setzt sich für die verstärkte Gründung von Ausländerbeiräten ein, in denen die Belange der insgesamt in Thüringen lebenden 34.500 Ausländerinnen und Ausländer besprochen werden könnten. Auch sollten Möglichkeiten für ehrenamtliche Arbeit der Zuwanderer erschlossen werden. Dies könnte schließlich helfen, Vorurteile der einheimischen Bevölkerung abzubauen.

Landesbischöfin Margot Käßmann, Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers

An Weihnachten sei Gottes Gnade den Menschen erschienen. Daran erinnert Landesbischöfin Margot Käßmann in ihrer Predigt an Heiligabend in der Marktkirche Hannover. "Gnade meint eine Zuwendung, eine Liebe, die nicht rechnet, die den Menschen ansieht und versteht, was er braucht." Gottes Gnade sei nicht nur einfach da, sondern wolle uns auch verändern. "Ich bin überzeugt, Gott will nicht weniger von uns, als dass wir die Welt verändern. Wenn Gott uns Orientierung gibt, dann doch die: Es geht darum Hass und Gewalt zu überwinden, es geht darum, die Vision von Gerechtigkeit Wirklichkeit werden zu lassen," so die Bischöfin.

Auch an Weihnachten dürften die Augen nicht davor verschlossen werden, dass in unserer Welt so manches aus den Fugen geraten sei. Terror bereite vielen Menschen Angst, so beschreibt die Bischöfin einiges von dem, was die Welt aus den Fugen geraten lasse. Während die Globalisierung gepriesen werde, hungerten die Menschen in vielen Ländern. Auch in Deutschland gebe es Angst um die Rente, um die Gesundheitsversorgung, um die Arbeitsplätze, um die Kinder, die zum Armutsrisiko geworden sind.

"Die Geburt des Gotteskindes ist wie ein Stern am Himmel, ein Licht über dieser Welt, das sagt: Gebt nicht auf, lasst euch nicht entmutigen. Behaltet die Vision im Auge, dass etwas verändert werden kann. Sicher, alle Tränen werden erst einst bei Gott abgewischt sein. Aber dass es keinen perfekten Frieden auf Erden gibt, darf uns nicht davon ablenken, dass wir sehr wohl für Frieden und Gerechtigkeit eintreten müssen." Der Heilige Abend sei nicht heilig, so Käßmann, weil er so ruhig und still sei, sondern weil Gottes Heil zur Erde gekommen sei. In aller Freude und Angst und den Fragen des Lebens seien die Menschen nicht allein, denn Gott wende sich ihnen zu.

Präses Nikolaus Schneider
Evangelische Kirche im Rheinland

In seiner Weihnachtspredigt erinnert Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, daran, dass in einer Nacht vor 2000 Jahren Gottes Liebe „zum Anfassen konkret“ wurde – „in dem verletzlichen Menschenkind Jesus von Nazareth“. Das Erinnern und Feiern dieses Geschehens gebe unserem Leben Heimat und Wurzel. Diese „heilsame Gottesnähe in Jesus Christus“ erlöse uns „von eigenem Perfektionswahn und von der Fixierung auf Sieg und Erfolg, von der Faszination gewaltsamer, schneller und endgültiger Lösungen – die es nicht gibt“, so Präses Schneider im Heiligabend-Gottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche.

Nikolaus Schneider weiter: „In Jesu Namen können wir immer wieder neu Schritte der Gerechtigkeit und des Friedens wagen.“ Das gelte besonders in Zeiten notwendiger Veränderungen. „Die vor uns liegenden Veränderungsprozesse sind so komplex und kompliziert, dass kein Mensch und kein Computersystem Verläufe und Ergebnisse mit Sicherheit vorhersagen können.“ Es sei unabwendbar, sich auf neue Wege zu machen: „Auf diesen Wegen ist die Menschenwürde zu bewachen und soziale Gerechtigkeit zu organisieren. Das ist auch die Aufgabe der Kirchen und der Christinnen und Christen in politischer Verantwortung.“ In all diesem erlaube es Gottes heilsame Nähe, dass wir Menschen mit Fehlern und Unvollkommenheiten leben könnten.

Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus – wie sie die Weihnachtsgeschichte erzählt – bedeute überdies noch einen weiteren heilsamen Gewinn für unser Leben: „Wir lernen am Leben Jesu, dass unsere Gottesebenbildlichkeit konkret wird in einem verantwortlichen und mitfühlenden Leben“, so Präses Schneider: „Sie ist nicht abhängig von Stärke, Gesundheit, Erfolg und einem glänzenden Leben.“

Bischof Martin Hein, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Martin Hein, weist in seiner Weihnachtsbotschaft sowie in seiner Predigt am Heiligen Abend in der Kasseler Martinskirche (18 Uhr) auf die furchtüberwindende Freude der Weihnachtsbotschaft hin. Die Furcht, von der in der Weihnachtsgeschichte mit Blick auf die Hirten berichtet wird, sei auch heute aktuell. Furcht und Zittern seien die Grundbedingung, die den Menschen unter den Wechselnden Bedingungen des Lebens und der Geschichte immer wieder aufs neue packe.

Auch heute beherrsche Furcht die Menschen etwa mit Blick auf die Bedrohung durch drohende Terroranschläge oder der ungeklärten politischen Konflikte im Nahen Osten. Tiefsitzende Furcht lasse sich auch in Deutschland feststellen, etwa vor dem, was unter dem Namen "Reformen" erscheine. Über Jahrhunderte, von der Reformation bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts habe das Wort "Reform" einen guten Klang gehabt, heute löse es angesichts Kürzungen und Einsparungen Verlustängste aus. Größer noch als die Verlustängste sei die Ungewissheit, die mit den gesellschaftlichen Veränderungen einhergingen und deshalb Furcht auslösten.

Die "große Freude", von der in der Weihnachtsgeschichte die Rede ist, rede die Probleme der Welt nicht schön, sie beschwichtige nicht. Darin unterscheide sie sich von der gängigen Unterhaltung auf allen Kanälen, die nur den billigen bunten Kontrast zur harten düsteren Wirklichkeit biete. Die Weihnachtsfreude habe hingegen einen konkreten Grund: "Christus, der Heiland der Welt ist geboren. Gott wird Mensch, kommt in diese Welt und will sie heil machen. Gott ist uns nahe, weil er uns liebt, weil er unsere Nöte und Furcht kennt. Wir sind mit unserer Furcht, woran immer sie sich auch entzünden mag, nicht allein. Gott ist bei uns."

Die Weihnachtsfreude anzunehmen, bedeute nicht, furchtlos zu werden oder die Furcht mit leichter Hand ablegen zu können. "Auch durch Weihnachten werden wir keine Ritter – ohne Furcht und Tadel", erklärt der Bischof. Doch wer der Weihnachtsbotschaft Glauben schenke, für den verliere die Furcht ihre lähmende Kraft und Macht. So könne die Furcht als Teil des Lebens angenommen, ihr aber ein zweiter Platz nach der Freude zugewiesen werden. Die Freude der Heiligen Nacht tröste und mache als neues Vorzeichen vor dem gesamten Leben zuversichtlich. "Die Weihnachtsfreude verändert unser Verhältnis zur Welt nachhaltig: Getrost und zuversichtlich können wir uns den Menschen zuwenden und auch die Fragen und Probleme angehen, die uns vorderhand aussichtslos erschienen und nur Furcht auslösten. Weihnachten bedeutet: Die anfängliche Furcht weicht bleibender Freude

Bischof Hans-Christian Knuth, Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche

„Die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum sind Zeichen dafür, dass Gott selbst sich der Welt zum Geschenk gemacht hat.“ Dies sagt der Bischof von Schleswig, Hans-Christian Knuth bei seiner Predigt am Heiligen Abend im dortigen Dom. Weiter führt er aus: „Das Fest der Liebe beruht auf der Liebe, die Gott zu uns Menschen hat.. Die bleibt unbestritten, auch wenn wir Menschen in Familie und Gesellschaft immer nur sehr unvollkommen der Liebe Gottes entsprechen können. So gilt das Weihnachtsfest gerade für die, die einsam oder krank oder von Hass und Verfolgung umgeben sind. Von Gottes Liebe dürfen wir uns trotz alledem gehalten fühlen. Und wer wollte dann nicht auch versuchen, zu lieben, wenn er glaubt, dass er von Gott geliebt wird?“

Kirchenpräsident Peter Steinacker, Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Kirchenpräsident Peter Steinacker befürchtet angesichts der großen Herausforderungen eine zunehmende „Zukunftsverdrossenheit“. Die Zukunft werde anders aussehen, als „wir Ältere es uns gedacht haben in einer Phase unseres Landes, in der es immer besser zu gehen schien,“ sagte der Kirchenpräsident in seiner Weihnachtspredigt an Heiligabend in Ilbeshausen/Oberhessen. Heutzutage sei wieder klarer, dass wir Menschen „versöhnungsbedürftige Lebewesen“ seien, denen kein „vollkommenes und geradliniges Leben ohne Schuld und Versäumnis“ gelinge. Steinacker wörtlich: „Die Welt ist kein Paradies und ihre Härte spüren wir hautnah und immer wieder.“

Genau in diese Welt habe sich Gott in Jesus Christus als Mensch begeben, „um alle zu retten und zum Leben zu befreien“. Steinacker weiter: „Weihnachten ist der Vorgang, in dem Gottes Glanz die todverfallene Erde in das Licht des neuen Lebens taucht. An diesem Tag pflanzt er den Keim des Paradieses in die Welt und in Eurer Herz.“


Kirchenpräsident Helge Klassohn, Evangelische Landeskirche Anhalts

In seiner Weihnachtsbotschaft hat Kirchenpräsident Helge Klassohn angesichts wirtschaftlicher und sozialer Probleme sowie mangelnder Perspektiven für Jugendliche gerade in Ostdeutschland die Menschen aufgefordert, nicht Angst und Zwietracht die Oberhand zu gewähren, sondern Hoffnung und Lebensmut zu stärken. „Der Engel sagt: ‚Fürchtet euch nicht!’ Gott überlässt diese Welt nicht sich selbst. Friede auf Erden ist möglich, wenn wir mutig glauben und Gott in der Höhe vertrauen und ehren.“

Nicht Egoismus und Brutalität, betonte Klassohn, sondern Menschlichkeit und Nächstenliebe könnten und sollten sich durchsetzen: „Daran will das Weihnachtsfest erinnern mit seinen Liedern, mit den Gottesdiensten am Heiligen Abend und an den beiden Weihnachtsfeiertagen, mit seinen schönen Bräuchen und alten Traditionen. Die Fenster unserer Kirchen werden hell erleuchtet sein und die Türen offen stehen. Es werden wieder die alten frohen Lieder gesungen, das Weihnachtsevangelium wird gelesen und ausgelegt, es wird für den Frieden im Irak, in Israel und Palästina und an den anderen Orten dieser Welt gebetet, wo Menschen einander hassen und weh tun.“

Gott, so der Kirchenpräsident, habe mit der Geburt des Jesuskindes seine Macht unauslöschlich mit dem Schicksal der Menschen verbunden. Am Kindchen in der Krippe von Bethlehem sei zu erkennen, wie rückhaltlos Gott sich mit dem Leben der Hilfsbedürftigen und der sich nach Liebe und Geborgenheit Sehnenden identifiziere. „Wir wissen und bezeugen aber auch, dass dieser Menschen- und Gottessohn nach seiner Auferstehung zu neuem Leben der Heiland und Erlöser der Welt bleibt ... Unsere Welt braucht den Erlöser, den Gottes- und Menschensohn nötiger denn je. Darum schauen wir voller Erwartung und Hoffnung auf das Kind in der Krippe und auf den Mann am Kreuz ... Gott hört nicht auf, mit uns durch das Kind von Bethlehem und den Mann am Kreuz in der Sprache der Liebe und des Friedens zu reden! Darauf gründen wir unsere Hoffnung. Auch für die Zeit nach dem Weihnachtsfest im kommenden neuen Jahr wird gelten: ‚Fürchtet euch nicht’.“

Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz, Schriftführer in der Bremischen Evangelischen Kirche

In einer gemeinsamen Weihnachtsbotschaft der Kirchen in Bremen wünscht der Schriftführer in der Bremischen Evangelischen Kirche Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz, zusammen mit dem Propst von St. Johann in Bremen, Monsignore Ansgar Lüttel, gesegnete Weihnachten. Wörtlich schrieben sie:

„Weihnachten 2003. Wir freuen uns auf das bevorstehende Fest. Die meisten Geschenke sind eingekauft und die wichtigsten Vorbereitungen getroffen. Das Fest der Liebe und des Friedens kann beginnen. Wir wünschen uns Frieden - für uns selbst, aber auch „Frieden auf Erden“, wie das Weihnachtsevangelium uns verheißt.

Weihnachten 2003 gibt es auch eine andere Wirklichkeit. Nach Auskunft des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) gibt es zur Zeit über 10 Millionen Flüchtlinge auf der Welt. Die Menschen fliehen aus Afghanistan nach Pakistan, aus Burundi nach Tansania, aus dem Sudan nach Uganda. Immerhin 2,4 Millionen Flüchtlingen ist es in diesem Jahr gelungen, wieder in ihr Heimatland zurückzukehren. Menschen unterwegs, auf
der Suche nach einer Bleibe.

An den Pfarrhaustüren klingeln Menschen und bitten um Geld oder Essen. In Gemeinden und Hilfseinrichtungen werden sie beköstigt und finden wenigstens für einige Zeit eine Bleibe. Wer irgendwie unter die Räder geraten ist, hat es schwer, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen. Menschen ohne Heimat.

Das Weihnachtsevangelium spricht von Menschen, die sich unfreiwillig auf den Weg machen müssen. Die hochschwangere Maria macht sich mit Joseph auf nach Bethlehem, weil eine Volkszählung angeordnet ist. Ohne Rücksicht auf Lebensumstände und Kosten müssen sie losziehen. In Bethlehem ist kein Platz in der Herberge. So kommt das Kind in einem Stall zur Welt. Es wird in ein unsicheres Leben hineingeboren. Und so wird es bleiben: „Der Menschensohn hat nichts, wohin er sein Haupt legen kann,“ sagt er. In seiner Heimatstadt ist er nicht willkommen.

Weihnachten 2003: Wir feiern die Geburt unseres Herrn Jesus Christus in einem einfachen Stall bei Bethlehem. Er ist der Bruder der Kleinen: der Habenichtse und der Heimatlosen. Wir finden ihn nicht in den Palästen, sondern in jedem menschenfreundlichen, mitfühlenden Herz.“


Bischof Axel Noack, Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen

Das Himmelslicht leuchte an Weihnachten in die menschlichen Verhältnisse, sagt der Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Axel Noack in seinem Weihnachtswort. Weihnachten, so der Bischof in Magdeburg bedeute auch vom Himmel zu reden, aber nicht im Sinne einer Vertröstung. Wörtlich heißt es in seinem Weihnachtswort

„Weihnachten heißt auch vom Himmel reden. “Vom Himmel hoch...” kommt Neues in unsere Welt. Aber haben wir nicht genug handfeste irdische Sorgen? Es ist noch gar nicht lange her, da galt es als töricht, vom Himmel zu reden. Den sollte man den “Engeln und den Spatzen” überlassen (Heinrich Heine). Die Gefahr einer Vertröstung ist in der Tat groß: Hier geht es dir schlecht, aber im Himmel geht es dir besser. Hier hast du zwar keine Arbeit oder musst Hunger leiden, dort wirst du entschädigt werden.

Es war nötig, solche Jenseitsvertröstung zu kritisieren. Die aufklärerische Kritik hat uns allerdings auch ärmer gemacht. Viele haben für sich den Himmel ganz abgeschafft und behaupten nun, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen. Wer sich auf die totale Diesseitigkeit konzentriert, verschüttet wichtige Quellen der Orientierung und Motivation für ein erfülltes Leben auf der Erde. Weihnachten will uns zu solcher Orientierung verhelfen. Nicht, indem es uns zum Himmel weist, sondern davon redet, wie sich der Himmel für uns öffnet und wie Himmelslicht in unsere Verhältnisse hineinleuchtet.

“Das ewig Licht geht da herein, bringt der Welt einen neuen Schein. Es leucht wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht.” (Martin Luther). Weihnachten will dazu helfen, uns, unsere Verhältnisse und Lebensumstände, ja auch unsere Gesellschaft und ihre Sorgen, in einem neuen Lichte zu sehen. Es ist ein anderes Licht, Licht vom Himmel. Das “ewig Licht” ist helfendes und tröstendes Licht. Es will uns selbst erleuchten und damit verändern. Es will unseren Horizont weiten und auf größere Zusammenhänge weisen. Wir laufen uns müde, wenn wir keine Hoffnung haben, wenn sich unser Leben in dem erschöpft, was wir mit unserer kleinen Kraft ausrichten und erreichen können.

“Dass mit diesem Leben alles vorbei ist, dass man nur das kriegt, was man auf Erden hat und nicht mehr, das steigert nicht nur den Machttrieb und die Bereicherungslust von Einzelnen und von Nationen. Es verschärft aufs Unerträglichste die Angst, auch noch das Wenige, was man hat, zu verlieren. Und es stärkt die Bereitschaft, sich fast alles zumuten zu lassen und fast allem Unrecht zuzusehen, solange es mich nicht ereilt (George Orwell).”

Wir können und sollen Kinder dieses Lichtes werden. Es will uns den Blick weiten, dass wir aufsehen und mit Tatkraft und Zuversicht an unsere Probleme herangehen.
Gott kommt uns entgegen und spricht in unsere Zeit hinein: Euch ist heute der Heiland geboren. Lasst uns auch an Weihnachten 2003 auf diese himmlische Botschaft hören, damit wir uns auf der Erde besser zurechtfinden.“

Präses Manfred Sorg, Evangelische Kirche von Westfalen

Die Weihnachtsgeschichte sei eine "aktuelle, eine bedeutsame, ja eine durch und durch notwendige Geschichte", so der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Manfred Sorg in seiner Predigt in der Neustädter Marienkirche in Bielefeld am 25. Dezember. Er überträgt sie in die heutige Zeit, wo Terrorangst und Kriegsnachrichten herrschten, wo Flüchtlinge und Verfolgte um ihr Leben bangten, wo "die Regierungen in Bund und Ländern der bedrückenden Arbeitslosigkeit den vorerst theoretischen Kampf ansagten", und wo die Armut der Menschen in manchen Teilen der Welt unmenschliche Formen annehme.

Für bedingungslose Liebe, Mitleid und Menschlichkeit bliebe kaum Raum: "Denn wo Gott nur wenig Platz hat, da hört auch die Menschlichkeit auf, weil sie nicht mehr atmen kann." Nach wie vor gelte aber Gottes Zusage: "Fürchtet Euch nicht!"

Gottes Liebe sei eine Frage an alle: "Wollen wir ihr in unserer Welt Platz geben?" So ließe sich die Weihnachtsgeschichte auch auf die Gottesdienstbesucher übertragen. Wem es nur um eine stimmungsvolle Feier gehe, für den bliebe alles beim Alten. Wer hingegen spüre, dass "eigentlich alle Menschen nichts nötiger im Leben haben als die Liebe Gottes", denen gingen die Augen auf für ihre Mitmenschen. Für sie habe das Weihnachtsfest begonnen.

Landesbischof Johannes Friedrich, Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

Er schenke gerne und lasse sich auch gerne beschenken, so Landesbischof Johannes Friedrich in seiner Predigt in der St. Matthäus-Kirche in München am 25. Dezember. Dabei passe das nicht recht in unsere Gesellschaft, "in der alles seinen Lohn hat und man für alles bezahlen muss". Schenken und sich beschenken lassen durchbreche den Teufelskreis von Leistung und Anerkennung. Schenken ohne erwartete Gegenleistung signalisiere dem anderen: "Ja, du bist mir recht, du gefällst mir." Dieses vorbehaltlose Ja tue unendlich gut und verdeutliche die Bedeutung von Weihnachten.

Denn an Weihnachten werde der zentrale christliche Glaubenssatz deutlich: "dass wir vor Gott nicht gerecht sind, weil wir gut sind, weil wir etwas leisten". Dass Gott Mensch wurde, ist sein Geschenk an uns. Er mache es aus reiner Gnade und Barmherzigkeit, weil er die Menschen liebe.

Jesu Leben von Geburt bis zu seinem Tod mache deutlich: "Gott entscheidet über uns nicht nach unserer Leistung, sondern nach dem Maßstab der Liebe." Das sei das größte und schönste Geschenk, das wir an Weihnachten bekommen.

Kirchenpräsident Eberhard Cherdron,Evangelische Kirche der Pfalz

Nach Worten des pfälzischen Kirchenpräsidenten Eberhard Cherdron will die Weihnachtsbotschaft „Mut zur Verantwortung“ machen. Cherdron sagte in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag in der Speyerer Gedächtniskirche: “Viele Menschen empfinden heute Verantwortung nur noch als eine Last, die sie lieber einem anderen aufbürden möchten. Darum beschäftigt uns in Deutschland zur Zeit nichts so sehr wie die Sozialreformen, die Steuerreform und die Frage: Wo beginnt die Verantwortung des einzelnen für sich selbst und wo endet sein Recht auf materielle Hilfe?“

Es müsse, so der Kirchenpräsident, wieder selbstverständlich werden, „dass sich Unternehmen und auch die Kirche als Arbeitgeber der Verantwortung für ihre Beschäftigten“ bewusst werden. Selbst in der Wirtschaft dürfe der Mensch nicht bloß als „Produktionsfaktor Arbeit, der verringert werden muss, weil er nur einen Kostenfaktor darstellt und den Gewinn des Unternehmens mindert“ gesehen werden.
Aber auch im privaten Bereich müsse die „Rückkehr des Lebensrisikos in den Verantwortungsbereich des Einzelnen“ bewusster wahrgenommen werden: „Es muss wieder selbstverständlich werden, dass Menschen Eigenverantwortung übernehmen für ihre Altersabsicherung, und dass Familien füreinander einstehen und nicht immer gleich nach dem Staat rufen“, sagte der Kirchenpräsident.

Cherdron beklagte in diesem Zusammenhang eine „Mentalitätsveränderung, die uns alle fast gleichermaßen betrifft. Nämlich, dass wir fast alles, was es an sozialen Beziehungen gibt, nur noch in Rechtsansprüchen denken.“

Die Weihnachtsgeschichte zeige, wie Gott sich selbst der menschlichen Verantwortung ausgeliefert habe. „Gott selbst ist als Kind zu uns gekommen. Er lebte von der Fürsorge, von dem Verantwortungsbewusstsein anderer. Er lebte wie jedes Kind davon, dass andere für ihn da waren.“ Die Botschaft von Gottes Güte und seiner Menschenliebe mache „uns Mut, uns der Verantwortung für uns selbst und andere“ zu stellen. „Gott zeigt uns, dass wir von Anfang an davon leben, dass Menschen für Menschen Verantwortung übernehmen. Er hilft uns mit, diese Verantwortung zu tragen, wenn sie für uns zu einer Last wird.“

Landesbischof Gerhard Maier,Evangelische Landeskirche in Württemberg

Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Gerhard Maier predigt am Heiligen Abend in der Stuttgarter Hospitalkirche. In dem Gottesdienst um 20 Uhr, den er gemeinsam mit Stuttgarter Obdachlosen feiert, sagte Maier: Die gleiche Freude, die die Engel den Hirten verkündigt hätten, könnte auch heute jeder erfahren, der Jesus Christus begegne. „Diese Freude verlässt uns nicht einmal auf den langen Tunnelstrecken unseres Lebens!“, so der Landesbischof in seiner Predigt.

Dass die Begegnung mit dem Kind in der Krippe keine Geschichte der Vergangenheit ist, sondern dass Menschen auch heute noch Jesus Christus in ähnlicher Art und Weise begegnen können wie die Hirten damals, steht auch im Mittelpunkt der Predigt, die Landesbischof, Gerhard Maier, am ersten Weihnachtsfeiertag im Gottesdienst um 10 Uhr in der Stuttgarter Stiftskirche hält: „Staunen und Danken der Hirten setzen sich durch zwei Jahrtausende Geschichte fort. Bis heute öffnen sich mit Staunen und Danken neue Lebensräume für den, der Jesus dem Christus, begegnet“.

Landesbischof Ulrich Fischer, Evangelische Landeskirche in Baden

Eisig, frostig und verhagelt sei eine Welt ohne Kinder, so sagte Landesbischof Ulrich Fischer in einer Weihnachtsansprache im Evangelischen Oberkirchenrat. Die Botschaft von Weihnachten, dass Gott ein Kind geworden sei, müsse zum Nachdenken anregen, mehr Mut zu Kindern zu haben, so der badische Bischof. Gott habe als Kind die Welt verändert. Darum mache die Weihnachtsbotschaft Mut, mehr für Kinder und für mehr Kinder einzutreten. Gott habe nicht daran festgehalten Gott zu sein, sondern sei in Jesus Christus Mensch geworden, „Elend und Armseligkeit gesucht, um uns Menschen nahe zu kommen“, so Fischer. Doch bleibe die Botschaft von Weihnachten dabei nicht stehen. Dieses Kind, das an Weihnachten geboren worden sei, habe als Mann am Kreuz das Heil für die Menschen erworben.

Fischer weiter: „Was einst mit der Geburt eines Kindes begann, was im Tod Jesu Christi am Kreuz von Golgotha seine Fortsetzung fand, das blieb nicht ohne Wirkung. Das hat in der Tat Menschen und auch unsere Welt verändert.“ Ohne die Begegnung mit Jesus Christus bleibe auch die Welt eisiger und frostiger. Gott habe sich in Jesus Christus ganz auf die Menschen eingelassen. „Er hat die Kraft, Beziehungen zwischen Menschen zu heilen.“ Das Kind mit den Wundmalen der Liebe wolle das Leben aller Menschen verändern, eine „riesige weihnachtliche Freude schenken“.

Hannover, Dezember 2003
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi, Anita Hartmann, Christof Vetter
Zusammengestellt wurden die Predigten und Weihnachtsbotschaften der Leitenden Geistlichen, wo weit sie uns von den Pressestellen der Gliedkirchen zur Verfügung gestellt wurden.