Generalsekretärin: Kirchentag wird spiritueller

Nachricht 19. Dezember 2003

Wolfenbüttel (epd). Der Deutsche Evangelische Kirchentag ist nach Einschätzung seiner Generalsekretärin Friederike Woldt spiritueller geworden. Auch kulturelle Ereignisse hätten eine zunehmende Bedeutung erlangt, sagte die Theologin in einem Interview für die nächste Ausgabe von "Synode direkt", einer Publikation der braunschweigischen Landeskirche. Der Kirchentag müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Menschen der heutigen Zeit Sehnsucht nach ausgelassenen Feiern und der eigenen religiösen Identität hätten.

Für viele Beobachter sei der Kirchentag die gelungenste Selbstdarstellung der Kirche. Deshalb sollte der als "Laien-bewegung" entstandene Kirchentag an seinem Verhältnis zur Kirche arbeiten und den Mut haben, sich als Teil der Kirche zu verstehen. "Es ist bezeichnend, dass wir sehr viel kritischer gegenüber unseren Bischöfen sind als unsere katholischen Partner gegenüber ihren Bischöfen, obwohl unser Verhältnis zu den Kirchenleitungen viel entspannter ist", meinte Woldt in dem am Donnerstag vorab veröffentlichten Interview.

Die aus Ostdeutschland stammende Generalsekretärin kündigte an, dass auf dem Kirchentag 2005 in Hannover die Frage des Verhältnisses von Ost- und Westdeutschen erneut eine wichtige Rolle spielen werde. Die Zeit der "Befindlichkeitsstudien" scheine ihr jedoch vorbei zu sein. Es komme jetzt darauf an, gemeinsame Themen wie die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und die Arbeitslosigkeit in den Mittelpunkt zu stellen.

Der Dialog der Religionen müsse auf dem Kirchentag noch verstärkt werden, sagte die Generalsekretärin. Beim Auftritt des Dalai Lama beim Ökumenischen Kirchentag in diesem Jahr in Berlin habe es "zu viel Selbstdarstellung und zu wenig Dialog" gegeben, kritisierte Woldt. Abgesehen davon sehe sie den Kirchentag nicht in der Gefahr, "der religiösen Beliebigkeit Vorschub zu leisten". (epd Niedersachsen-Bremen/b3826/18.12.03)
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