Forum will christlich-islamisches Gespräch voranbringen

Nachricht 16. Dezember 2003

Hannover (epd). Der Dialog zwischen Christen und Muslimen ist nach Beobachtungen des evangelischen Islam-Beauftragten Christoph Dahling-Sander aus Hannover vielfach von gegenseitigem Misstrauen und Vorbehalten geprägt. Christen unterstellten Muslimen oft eine politische Ideologie, sagte Dahling-Sander beim ersten "Forum zur Begegnung von Christen und Muslimen in Niedersachsen" in Hannover. Umgekehrt fühlten sich Muslime in Deutschland als Religionsgemeinschaft häufig diskriminiert und unerwünscht.

Diese Einstellungen würden bei den Diskussionen etwa um das "Kopftuch-Verbot" für muslimische Lehrerinnen oder den Bau von Moscheen sichtbar. Dahling-Sander sprach sich für ein ehrliches und respektvolles Miteinander aus. Allerdings dürften auch "kantige Positionen" nicht verschwiegen werden. Christen müssten auch über die Kreuzigung Jesu oder über ihr Gottesbild sprechen.

In Zukunft werde sich die Frage stellen, wie zwei Religionen, die Mission befürworten, miteinander leben können, sagte Dahling-Sander. Von islamischer Seite wünsche er sich ein stärkeres Eintreten für die Menschenrechte. Auch die Rolle von Frauen und Männern und kulturelle Fragen wie Bestattungsriten seien von Bedeutung. Bislang arbeiteten Christen und Muslime vereinzelt auf lokaler Ebene zusammen. Ein landesweites Forum habe es bisher nicht gegeben.

An der Veranstaltung in Hannover nahmen 60 Personen aus der evangelischen und katholischen Kirche, islamischen Verbänden sowie Ministerien und Stiftungen teil. Um den lokalen Initiativen den Rücken zu stärken, wolle die hannoversche Landeskirche weiter zu Begegnungsforen einladen, kündigte Dahling-Sander an. In Niedersachsen leben nach Schätzungen rund 160.000 Muslime. (epd Niedersachsen-Bremen/b3670/12.12.03)

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