"Lebendiger Adventskalender" in Lüneburg

Nachricht 12. Dezember 2003

"Menschen mit Schwierigkeiten" öffnen ihre Türen - Die Diakonie Lüneburg lädt zu "Lebendigen Adventskalender" ein

Von Karen Miether (epd

Lüneburg (epd). In Lüneburg und Umgebung öffnen im Advent Behindertenwohnheime, die Bahnhofsmission, Beratungsstellen und ein Projekt für chronisch Alkoholabhängige ihre Türen. Angelehnt an die immer populärer werdenden "lebendigen Adventskalender", bei denen Menschen einander in ihren Häusern besuchen, lädt vom 1. bis zum 24. Dezember an jedem Tag eine diakonische Einrichtung oder Kirchengemeinde zu sich ein.

"Menschen mit Schwierigkeiten im Leben sollen mitten drin sein und nicht außen vor", erläutert die Koordinatorin Petra Andreas-Siller ein Ziel der Aktion des Diakonieverbandes Lüneburg-Bleckede. In der Einrichtung "Lebensräume", die die Sozialpädagogin leitet, bereiten sich die chronisch alkoholkranken Klienten schon jetzt auf den 19. Dezember vor, dem Tag an dem der Adventskalender in ihr Haus einlädt.

In den Kreativ- und Kochgruppen haben sie Engel aus Holz und Pappe bemalt und wollen Engels-Kekse backen. Die täglichen Gruppen seien wichtig für diejenigen unter den Alkoholkranken, die nicht arbeiten, erläutert Andreas-Siller. "Man muss etwas haben, für das es sich lohnt nüchtern zu bleiben." Die Klienten von "Lebensräume" leben in eigenen Wohnungen, brauchen aber eine feste Anlaufstelle.

Nicht alle Einrichtungen haben extra für den Adventskalender etwas geplant. Einige laden zu ihren normalen Sprechstunden ein, andere öffnen bewährte Aktionen für ein breiteres Publikum. "Es geht auch darum, die Bandbreite diakonischer Arbeit deutlich zu machen und miteinander etwas auf die Beine zu stellen", sagt Andreas-Siller. Eine Übersicht gibt es im Internet unter (www.kirche-lueneburg.de/advent).

Der Zulauf war bisher unterschiedlich. Die Sprechstunde der Sozialberatung hat im Rahmen des Adventskalenders niemand besucht. Zum Adventsmarkt einer Stiftung mit Wohngruppen für Behinderte sind dagegen Gäste zu Glühwein, Plausch und Bratwurst gekommen, berichtet der Leiter der Einrichtung.

Bei der Adventsfeier der evangelischen Behindertenarbeit ist das Gemeindehaus der St.-Nicolai-Kirche voll. Diakon Ulrich Beuker kennt allerdings die meisten Gäste. Es sind Teilnehmer aus der wöchentlichen Gruppenarbeit, ihre Angehörige und Freunde. Für sie gehöre das Fest zu den Höhepunkten im Jahr, sagt Beuker.

Bei der Feier wird eine Andacht gehalten und später gegessen, geplaudert und gesungen. Karin Kreuch engagiert sich seit 16 Jahren ehrenamtlich in der Behindertenarbeit und sie erzählt begeistert, dass solche Begegnungen sich lohnen. Die Herzlichkeit der behinderten Menschen sei umwerfend, sagt sie. "Von ihnen kann man lernen, ehrlich und wahrhaftig zu sein." (epd Niedersachsen-Bremen/b3661/12.12.03)
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