"Religionsfreiheit ist Vorraussetzung für Frieden"

Nachricht 10. Dezember 2003

Bischof Huber zum Internationalen Tag der Menschenrechte

Jeder einzelne Mensch sei ein Geschöpf und Ebenbild Gottes. Christen setzten sich daher weltweit für die Wahrung und Förderung der Menschenrechte ein. Dies erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschlands (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in Hannover anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte am 10. Dezember. Das Bekenntnis zum Menschenrecht auf Religionsfreiheit sei die Vorraussetzung für ein friedliches Zusammenleben von Religionsgemeinschaften und Konfessionen. Religion dürfe nicht zur Legitimation von Gewaltakten missbraucht werden. Die Zuspitzung des israelisch-palästinensischen Konfliktes nannte der Ratsvorsitzende besorgniserregend. Die Errichtung einer Mauer um die besetzten palästinensischen Gebiete beeinträchtige die Rechte der palästinensischen Bevölkerung auf Freizügigkeit, die Sicherung ihrer wirtschaftlichen Existenz und den Zugang zu Wasser. Eine Aussicht auf dauerhaften Frieden gäbe es nur, wenn auf beiden Seiten andere Wege der Konfliktlösung beschritten würden.


Hannover, 9. Dezember 2003
Pressestelle der EKD
Anita Hartmann

Erklärung des Ratsvorsitzenden zum Internationalen Tag der Menschenrechte am
10. Dezember 2003 im Wortlaut:

"Christen sehen in jedem einzelnen Menschen ein Geschöpf und Ebenbild Gottes. Deshalb setzen sie sich weltweit für die Wahrung und Förderung der Menschenrechte ein.

Diese Arbeit steht heute vor neuen Herausforderungen. Insbesondere im Verlauf von bewaffneten Konflikten kommt es weltweit immer wieder zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen. In einigen Fällen wird dabei Religion zur Legitimation von Gewaltakten missbraucht. Religion darf jedoch keine Triebfeder für Krieg, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen sein.

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich deshalb in diesem Jahr besonders mit dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit befasst. Sie lässt sich dabei von der Erkenntnis leiten, dass das Bekenntnis zu einer Religionsfreiheit, die alle Religionsgemeinschaften umfasst, die Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben von Religionsgemeinschaften und Konfessionen darstellt. Denn Menschen, die sich in der Ausübung ihrer Religion eingeschränkt sehen, fühlen sich in ihrer innersten Freiheit bedroht und lassen sich leicht für die Ziele anderer instrumentalisieren. Kirchen und Religionsgemeinschaften tragen hier eine große Verantwortung und sind aufgerufen, sich nicht nur für die eigenen Interessen, sondern gegen alle Formen von Intoleranz und damit insbesondere auch gegen die Unterdrückung Andersglaubender einzusetzen. Doch besondere Wachsamkeit der Kirche ist dort geboten, wo Mitchristen in anderen Ländern der Welt unter massiven Einschränkungen ihrer Religionsfreiheit zu leiden haben.

Besorgniserregend ist auch die Zuspitzung des israelisch-palästinensischen Konfliktes: Aus menschenrechtlicher Sicht ist der Staat Israel dazu verpflichtet, das Leben seiner Bürger gegen die fortgesetzten Selbstmordattentate auf seinem Staatsgebiet zu schützen. Angesichts der Tatsache, dass die palästinensische Autonomiebehörde nicht willens oder in der Lage zu sein scheint, diesen Anschlägen Einhalt zu gebieten, sind auch weitreichende Maßnahmen zulässig. Diese müssen jedoch grundlegende Menschenrechte der betroffenen Palästinenser respektieren. Die im Juni 2002 begonnene Errichtung einer Mauer um die besetzten palästinensischen Gebiete beeinträchtigt jedoch im erheblichen Maße die Rechte der palästinensischen Bevölkerung auf Freizügigkeit, die Sicherung ihrer wirtschaftlichen Existenz und den Zugang zu Wasser. Darüber hinaus lässt die Tatsache, dass die Mauer über weite Strecken innerhalb der Grünen Grenze zwischen den von Israel besetzten israelischen Gebieten und Israel verlaufen soll, befürchten, dass hier Sicherheitsinteressen als Vorwand für eine territoriale Ausdehnung des Staates Israel genutzt werden. Andere Wege der Konfliktlösung sind von hoher Dringlichkeit; denn sonst gibt es keine Aussicht auf dauerhaften Frieden in der Region.

Beide Seiten, Israelis und Palästinenser, müssen ihre Haltung grundlegend ändern. Ich begrüße, dass in der Erklärung von Alexandria von 2002 führende Vertreter des Islam, des Christentums und des Judentums jede Form von Gewalt als Problemlösung verurteilt und sich zugleich verpflichtet haben, gemeinsam dem Hass und der gegenseitigen Diffamierung entgegenzutreten."

Hinweis: Weitere Informationen zum Menschenrecht auf Religionsfreiheit finden Sie in: "Bedrohung der Religionsfreiheit Erfahrungen von Christen in verschiedenen Ländern - Eine Arbeitshilfe"
-> EKD-Texte 78, 2003