Landesbischöfin: Weihnachten darf keine Konsumorgie werden

Nachricht 19. November 2003

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat sich am Mittwoch entschieden gegen Pläne zur Ladenöffnung an den Adventssonntagen ausgesprochen. Es sei eine Versuchung, Advent und Weihnachten als einzige Konsumorgie zu sehen, die den Menschen eines Tages "zum Hals herauskommen" werde, sagte sie beim Buß- und Bettagsgottesdienst in der Marktkirche in Hannover.

Der Bußtag rufe zur Umkehr von einem falschen Weg auf, sagte die evangelische Theologin weiter. Das bedeute auch, aus dem Teufelskreis des schönen Scheins auszubrechen und die eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu erkennen. Der Glaube dürfe nicht zum inhaltsleeren Kaufobjekt werden.

Je stärker die eigene Religion verdrängt wird, desto größer scheint Käßmann zufolge die Angst vor fremder religiöser Identität zu werden: "Je mehr der Kirchturm ignoriert wird, desto größer wird die Angst vor der Moschee." Der Glaube dürfe nicht dazu benutzt werden, sich von allem Fremden abzugrenzen. Das Christsein sei kein Bollwerk gegen alles, was den Einzelnen in Frage stelle. "Unser Land braucht umkehrbereite, zuversichtliche und hoffnungsfrohe Christenmenschen", sagte Käßmann abschließend. (epd Niedersachsen-Bremen/b3412/19.11.03)

Gansäuer: Politiker brauchen die Fürbitte des Bußtages

Hannover (epd). Der Präsident des niedersächsischen Landtages, Jürgen Gansäuer (CDU), hat auf die Bedeutung des Buß- und Bettages hingewiesen. Als Politiker sei er überzeugt, dass das Land und die Menschen, die politische Verantwortung trügen, die Fürbitte und das Gebet des Bußtages brauchten, sagte er am Mittwoch in einem Gottesdienst mit der evangelischen Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann in der Neustädter Kirche in Hannover.

Die Bedeutung des Tages sei erst seit der Streichung als gesetzlicher Feiertag 1996 sichtbar geworden: "Es war eine gehörige Ohrfeige, die uns evangelischen Christen von der Politik verabreicht wurde." Der Bußtag weise die Menschen darauf hin, dass sie in einer persönlichen Verantwortung vor Gott stünden und als Christen den Auftrag hätten, die Welt zu gestalten, sagte Gansäuer: "Er erinnert uns daran, dass wir nicht perfekt sind, dass wir Fehler machen und gut daran tun, dies besonders an diesem Tag öffentlich zu machen."

Die hannoversche Regionalbischöfin Ingrid Spieckermann appellierte an die Mitverantwortung jedes Einzelnen für die gesellschaftlichen Entwicklungen. Es gehe darum, die Zuschauerrolle zu verlassen und selbst aktiv zu werden. Dem Anderen Schuld zuzuweisen, helfe nicht weiter. Bei Begegnungen mit Muslimen sei ihr sehr deutlich geworden, wie viel wachsen könne, wenn nicht sofort geurteilt und verurteilt, sondern erst einmal zugehört werde, sagte die evangelische Theologin. (epd Niedersachsen-Bremen/b3418/19.11.03)

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