Diakonie kritisiert geschlossene Heime für Jugendliche

Nachricht 18. November 2003

Verden (epd). Die niedersächsische Diakonie hat Pläne der Landesregierung kritisiert, für die geschlossene Unterbringung von schwierigen Jugendlichen eine Million Euro zu investieren. Statt Unsummen für Sicherheitsmaßnahmen auszugeben, sollte über eine personal-intensivere Betreuung oder die Kooperation mit anderen Bundesländern nachgedacht werden, teilten die 51 evangelischen Jugendhilfeeinrichtungen am Montag im Anschluss an eine Tagung in Verden mit.

Es gebe in Niedersachsen eine dramatische Zunahme von schwer straffälligen Kindern und Jugendlichen, heißt es. Das Beispiel Hamburg zeige jedoch, dass das "Schill-Projekt" auf ganzer Linie gescheitert sei. Der ehemalige Innensenator habe mit einem Millionenaufwand 25 geschlossene Plätze geschaffen, von denen nur wenige überhaupt belegt seien. Es habe mehrere Ausbruchsversuche gegeben, die das gesamte Projekt in Frage stellten.

Die diakonischen Jugend-Einrichtungen, die insgesamt 3.500 Plätze anbieten, befürchten weitere Kürzungen im ambulanten und präventiven Bereich. Es könne nicht sein, dass die Landesregierung für sechs bis zehn Plätze in einer geschlossenen Unterbringung einen Millionenaufwand betreibe, während die Kommunen in der Jugendhilfe sparen müssten, kritisieren sie.

Im Weiteren weisen sie darauf hin, dass sich die große Mehrheit der Experten gegen freiheits-entziehende Maßnahmen in der Jugendhilfe ausspreche. Studien bewiesen, dass die geschlossene Unterbringung die Probleme schaffe, die beseitigt werden sollten. Dazu gehörten Aggressivität, Bandenbindung und Gewalthierachien. Außerdem lasse das Kinder- und Jugendhilfe-Gesetz freiheitsentziehende Maßnahmen nur für einen Tag zu, wenn "Gefahr für Leib oder Leben" bestehe. (epd Niedersachsen-Bremen/b3392/17.11.03)
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