Landesbischöfin: Wirtschaft muss für die Menschen da sein

Nachricht 19. September 2003

Beverstedt/Kr. Cuxhaven (epd). Die Wirtschaft macht nach Auffassung der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann nur Sinn, wenn sie für die Menschen da ist und nicht umgekehrt. Wo die Grundlage von Arbeit als Gemeinschaftsprojekt reinem Egoismus weiche, gehe der entscheidende Zusammenhalt der Gesellschaft verloren, sagte Käßmann am Donnerstagabend in Beverstedt bei Bremerhaven. Die Theologin betonte "ein Ja zur Individualität, aber nicht zu purem Individualismus".

Der Mensch leiste nur etwas, wenn er auch einen Eigennutz verfolgen könne, sagte Käßmann. Nach christlichem Verständnis müsse dieser Eigennutz aber in das Gemeinwohl eingebunden werden. "Wir müssen nach Formen des intelligenten Eigennutzes als intelligenter Nächstenliebe suchen." Die Sorge für sich selbst müsse mit der Fürsorge für andere und der Rücksicht auf das gemeinsame Leben verbunden werden.

Käßmann sprach sich dafür aus, die großen Lebensrisiken wie Unfall, Krankheit, Erwerbslosigkeit und das Alter nicht zu privatisieren, sondern kollektiv abzusichern. Hier gebe es eine grundlegende Verantwortung der Gesellschaft, die durch individuelle Vorsorge ergänzt werden müsse. Viele Schwache im Land "haben inzwischen Angst um ihre Rente, ihre Pflege, um eben jene grundlegende Versorgung". (epd Niedersachsen-Bremen/b2730/19.09.03)

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