Kinderschutzbund kritisiert Kinderarmut in Deutschland

Nachricht 18. September 2003

Hannover (epd). Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, hat die Kinderarmut in Deutschland kritisiert. Drei Millionen Jungen und Mädchen lebten in bedenklichen Situationen, sagte Hilgers am Donnerstag in Hannover vor Journalisten anlässlich des Weltkindertages am 20. September. Davon müsse eine Million Kinder mit einem Sozialhilfesatz von 141 bis 267 Euro monatlich auskommen.

Hilgers warnte, dass diese Zahl noch einmal um 500.000 steigen werde, wenn die geplante Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe erfolge. Kinder, die in Armut lebten, hätten sehr viel schlechtere Bildungsmöglichkeiten: Die Chance, dass sie eine Realschule besuchten sei um 19 Prozent geringer als bei ihren Altersgenossen. Sie betrage 52 Prozent an den Gymnasien. Der Anteil der Studierenden aus armen Familien sei in den vergangenen 20 Jahren von 23 auf 13 Prozent zurückgegangen. Rund 90 Prozent aller vernachlässigten Kinder stammten aus armen Familien.

Weiterhin habe man nachgewiesen, dass Kinder in Armut nicht nur unglücklicher und ausgeschlossen seien, sondern auch öfter krank würden. "Ein schlechter Gesundheitszustand und ein geringer Schulerfolg haben eine gemeinsame Quelle: die Armut", betonte Hilgers. Er forderte, dass Förderung statt Ausgrenzung endlich zur Leitlinie für Entscheidungen werden müsse.

Solange Kinder als Armutsrisiko Nummer Eins gelten, verwundere es nicht, dass die deutsche Geburtenrate im europäischen Vergleich ins untere Drittel abgesunken sei. "Deutschland hat den entscheidenden Schritt noch nicht getan, viele Kinder zu Wunschkindern zu machen", sagte Hilgers. Dazu gehörten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, kindgerechte Ganztagsschulen mit Mittagessen, Förderung und Freizeitaktivitäten, anstelle von "Lehranstalten, die sich nur auf das Aussortieren spezialisieren". (epd Niedersachsen-Bremen/b2721/18.09.03)

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