Mehr als 500 Menschen nehmen Abschied von Pastor Klaus Brinker

Nachricht 04. September 2003

Hannover (epd). Mehr als 500 Menschen haben am Donnerstag in der hannoverschen Marktkirche Abschied von dem am Sonntag gestorbenen homosexuellen Pastor Klaus Brinker genommen. Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann wies in ihrer Trauerrede auf die enormen Auseinandersetzungen in den Kirchen der Welt um die Einordnung von Homosexualität hin: "Homosexualität ist bis heute ein Thema, das die Emotionen hoch kochen lässt."

Brinker (65) war 1981 von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers entlassen worden, weil er in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebte. Von 1996 an gehörte er der Landessynode an und arbeitete an einem Runden Tisch der Landeskirche zum Umgang mit homosexuellen Partnerschaften mit.

Käßmann betonte, sie sei dankbar, dass Brinker in der Kirche geblieben sei und ein Nachdenken über homosexuelle Menschen eingefordert habe: "Wo meine Kirche an Klaus Brinker schuldig geworden ist, ihn verletzt hat, tut mir das selbst weh." Brinker habe die persönlichen Verletzungen, die er erlitten habe, sowie die Auseinandersetzungen und das Ringen um den richtigen Weg als notwendigen Teil seines Lebenswegs gesehen.

Das Thema Homosexualität eigne sich gut, um die Emotionen von Menschen zu schüren und sensationsgierige Fernsehberichte zu füllen: "Das alles halte ich für falsch", sagte die Theologin. Sie werde tun, was sie könne, damit die Kirche endlich einen Weg finde, mit dem Thema Homosexualität in aller Ruhe umzugehen und es nicht zum Kampfthema zu machen. Es dürfe keiner Seite um ein schnelles Verurteilen gehen. Wichtig sei, füreinander offen zu sein und miteinander zu reden. Einfache Lösungen könne sie jedoch auch heute nicht anbieten.

Der Vorsitzende der "Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche Nord" (HUK) und langjährige Weggefährte Brinkers, Pastor Hans-Jürgen Meyer, sagte, Brinker habe um seine Rechte gekämpft und damit Kirchengeschichte geschrieben: "Es liegt jetzt an uns allen, die Kirchengeschichte für Schwule und Lesben zu einem glücklichen Ende zu bringen." (epd Niedersachsen-Bremen/b2584/04.09.03)

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-> Ansprache von Landesbischöfin Käßmann