Diakonie nimmt Sozialhilfeempfänger in Schutz

Nachricht 28. August 2003

Hannover (epd). Die Diakonie nimmt mit einer Broschüre Sozialhilfeempfänger gegen Vorurteile in Schutz. Berichte über einzelne Missbrauchsfälle würden immer wieder benutzt, um die Gesamtheit der rund 2,7 Millionen Empfänger der Hilfe zum Lebensunterhalt als "Schmarotzer" abzuwerten, kritisierte der hannoversche Diakoniedirektor Henning Brandes am Mittwoch. Das Existenzminimum dürfe nicht noch weiter herunterdefiniert werden, fordert er im Vorwort zur Broschüre "Sozialhilfe - Argumente gegen Vorurteile".

Missbrauch der Sozialhilfe sei selten und werde immer mehr erschwert, heißt es in der Broschüre. Die massive Überwachung schrecke eher davon ab, die Hilfe zu beantragen. Nur die Hälfte der Berechtigten mache ihre Ansprüche überhaupt geltend. Die Hilfe zum Lebensunterhalt mache nur 1,4 Prozent des gesamten Sozialbudgets aus. Bei den Kürzungsdebatten scheine es weniger um die Leistungsfähigkeit des Sozialstaats als um die Senkung des Lohnniveaus zu gehen, kritisieren die Verfasser.

Rund zwei Millionen Empfänger sind nach Angaben der Diakonie nicht erwerbsfähig, darunter mehr als eine Million Kinder. Von den etwa 700.000 Erwerbsfähigen gehe rund die Hälfte einer Beschäftigung nach, sei aber weiterhin auf Sozialhilfe angewiesen. 59 Prozent der Antragsteller hätten schon nach einen Jahr ihre Bedürftigkeit wieder überwunden. Von "Drückebergern" könne man nicht reden, wenn für vier Millionen Arbeitslose nur 1,5 Millionen Stellen offenstünden.

Sozialhilfe sei im Recht auf eine menschenwürdige Existenz begründet, schreibt Direktor Brandes im Vorwort. Nach den Erfahrungen der diakonischen Berater setzten die meisten Ratsuchenden ihre ganze Kraft dafür ein, bald wieder von der Sozialhilfe unabhängig zu werden. Brandes hob besonders die "enrsthaften und konsequenten Bemühungen" von Alleinerziehenden hervor.

Die Broschüre "Sozialhilfe - Argumente gegen Vorurteile" wurde von einer Projektgruppe des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erarbeitet und vom Diakonischen Werk der hannoverschen Landeskirche herausgegeben. Sie ist im Internet unter www.diakonie-hannovers.de erhältlich. Ab Mitte September kann sie telefonisch bei Diakonischen Werk in Hannover unter der Nummer 0511/3604-286 angefordert werden. (epd Niedersachsen-Bremen/b2491/27.08.03)
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