Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Winnipeg

Nachricht 23. Juli 2003

Lutheraner wollen "Zur Heilung der Welt" beitragen
Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Winnipeg

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Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes beginnt am Montag in Winnipeg. Von Burkhard Saul (epd)

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Lutheraner wollen "Zur Heilung der Welt" beitragen
Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Winnipeg

Winnipeg/Hannover (epd). Die Themen Armut und Gewalt, Aids sowie die Wahl einer neuen Führung stehen im Mittelpunkt der 10. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) im kanadischen Winnipeg. Unter dem Leitwort "Zur Heilung der Welt" werden von Montag an bis zum 31. Juli mehr als 400 Delegierte aus den 136 Mitgliedskirchen in der kanadischen Metropole tagen. Auf der Konferenz soll am 26. Juli ein Nachfolger für den amtierenden deutschen LWB-Präsidenten und früheren braunschweigischen Landesbischof Christian Krause (63) gewählt werden.

Der Weltbund wolle in Winnipeg eine "viel stärker verpflichtende, verbindliche Gemeinschaft" werden, um bei der Lösung globaler Probleme mitzuhelfen, sagte Krause dem epd. Der LWB müsse die wachsende Armut und das Flüchtlingselend in Entwicklungsländern verstärkt zum Thema machen. Auch die Bekämpfung der Immunschwäche Aids werde eines der "Spitzenthemen" der Delegierten aus 76 Ländern sein.

An der Weltkonferenz in Winnipeg wird auch eine hochrangige Delegation des Vatikan teilnehmen, die vom Vorsitzenden des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kasper, geleitet wird. Der deutsche Kurienkardinal sprach sich vor der Konferenz für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Lutheranern und Katholiken bei der Armuts- und Aidsbekämpfung aus.

Das Hauptreferat zum Leitwort "Zur Heilung der Welt" wird die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann halten. Der 1947 im schwedischen Lund gegründete Weltbund müsse "etwas beitragen zur Heilung der Welt" und damit zu Veränderungen, sagte Käßmann im epd-Gespräch. Viel zu viele Menschen sagten heute, sie könnten "nichts ändern an den übermächtigen wirtschaftlichen und politischen Zwängen".

Die Vollversammlung, die alle sechs Jahre tagt, ist das oberste Leitungsgremium des LWB, der 61,7 Millionen von weltweit rund 65,4 Millionen Lutheraner vertritt. In Winnipeg soll eine komplett neue Führung gewählt werden. Als Favorit für die Nachfolge von Krause gilt der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika, Mark Hanson. Er ist bisher Vizepräsident des LWB für die Region Nordamerika und wurde in Europa vor allem durch seine kritische Haltung gegenüber dem Irak-Krieg bekannt.

Auch die Wahl des LWB-Rates mit 49 Mitgliedern, der den Weltbund zwischen den Vollversammlungen führt, steht in Winnipeg auf dem Programm. Außerdem soll über die Zusammensetzung des neuen LWB-Exekutivkomitees abstimmt werden, das die laufenden Geschäfte des Weltbundes in der Genfer Zentrale überwacht.

Vor Konferenzbeginn hatte es Probleme mit der kanadischen Einwanderungsbehörde gegeben. Einigen Delegierten aus Entwicklungsländern war die Einreise nicht gestattet worden. Der LWB hatte dagegen in scharfer Form protestiert. (epd Niedersachsen-Bremen/b2228/18.07.03)

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Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes beginnt am Montag in Winnipeg

Von Burkhard Saul (epd)

Winnipeg/Hannover (epd). Die weltweite Gemeinschaft der lutherischen Kirchen steht vor einem personellen und inhaltlichen Umbruch. Bei der bevorstehenden Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 21. bis 31. Juli im kanadischen Winnipeg geht die Amtszeit des deutschen LWB-Präsidenten und früheren braunschweigischen Landesbischofs Christian Krause zu Ende, der die Geschicke der Gemeinschaft aus 76 Ländern sechs Jahre lang prägte. Bei der Weltkonferenz wird ein Nachfolger gesucht, der den mehr als 61 Millionen Mitgliedern aus 136 Kirchen Orientierung gibt und neue Perspektiven eröffnet.

Krause kann Erfolge vorweisen wie die 1999 unterzeichnete Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Luthers Aussagen über den richtigen Zugang zum Heil Gottes waren die "Bruchstelle" der Kirchen in der Reformationszeit. Der von Vertretern des Weltbundes und des Vatikans ausgehandelte Erklärung leitete trotz weiter bestehender Differenzen ein neues Kapitel in den Beziehungen der Kirchen ein.

Die Vollversammlung in Winnipeg unter dem Leitwort "Zur Heilung der Welt" soll der weiteren Annäherung dienen. Der Vatikan ist in der kanadischen Metropole mit einer hochrangigen Delegation unter Leitung des Vorsitzenden des päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Walter Kasper, vertreten. Der frühere Bischof von Rottenburg-Stuttgart und Krause erhoffen sich mehr Gemeinsamkeit beim Kampf gegen die Ungerechtigkeit im Nord-Süd-Verhältnis, die Armut und allgegenwärtige Gewalt.

Die thematische Richtung wird den mehr als 400 Delegierten aus aller Welt die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann weisen. Sie hält den Hauptvortrag zum Leitwort "Zur Heilung der Welt". "Jetzt ist die Frage: Wie verhalten sich Christen in der Welt der Globalisierung, was sind ihre Ziele", sagte Käßmann dem epd.

Weltbund-Präsident Krause erwartet, dass der LWB in Winnipeg "eine viel stärker verpflichtende, verbindliche Gemeinschaft" wird, um bei der Lösung der globalen Probleme mithelfen zu können. Dazu müsse der Weltbund aber "stärkeren Bewegungscharakter" haben und sich für unterschiedliche Frömmigkeitsstile öffnen. Krause denkt hier vor allem an die charismatischen Kirchen und Gemeinschaften, die mit Gebet, Gesang und Ekstase ursprüngliche Frömmigkeitsformen praktizieren und regen Zulauf verzeichnen.

Diesem Trend, der vor allem in vielen Entwicklungsländern für prallvolle Kirchen sorgt, dürfe sich der LWB der Zukunft nicht verschließen, meint Krause. Er kann in Winnipeg in dieser Richtung Zeichen setzen, muss die Umsetzung aber seinem Nachfolger im Präsidentenamt überlassen. Als heißester Kandidat gilt der bisherige LWB-Vizepräsident für Nordamerika, Mark Hanson.

Der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika geht Konflikten nur selten aus dem Weg. Hanson wurde in Europa vor allem durch sein beharrliches Engagement gegen den Einsatz der US-Truppen im Irak bekannt. Vielleicht ist nach dem Auftritt von Bischöfin Käßmann in Winnipeg aber auch eine Überraschung möglich und der LWB wählt erstmals eine Frau an seine Spitze. (epd Niedersachsen-Bremen/b2227/18.07.03)
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