EKD verleiht Hanna-Jursch-Preis 2003

Nachricht 15. Juli 2003

Promotionsarbeit zum Schwangerschaftsabbruch wird ausgezeichnet

Der Hanna-Jursch-Preis geht in diesem Jahr an Christiane Kohler-Weiß und wird am 23. Juli um 12 Uhr an der Universität Heidelberg verliehen. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zeichnet damit ihre Promotionsarbeit "Schutz der Menschwerdung. Der Schwangerschaftsabbruch als Thema evangelischer Ethik im deutschsprachigen Raum seit 1950" aus. Die Arbeit versteht sich als Darstellung, Analyse und Weiterentwicklung einer evangelischen Ethik des Schwangerschaftsabbruchs.

Mit dieser Arbeit breche sie das lange Schweigen evangelischer Theologinnen zum Thema Schwangerschaftsabbruch, so die 39-jährige Theologin. Frauen hätten sich von diesem Diskurs bisher weitgehend fern gehalten. Das Thema rücke ihnen besonders nahe auf den Leib, so dass es schwer sei, die für die Wissenschaft nötige Distanz einzunehmen. Auch in der latenten Abwertung von Frauen in vielen Beiträgen zur ethischen Diskussion um den Schwangerschaftsabbruch vermutet die Autorin einen Grund.

"Normen büßen ihre Verbindlichkeit nur dann nicht ein, wenn sie aufgrund unserer Lebenserfahrung Sinn machen", betont die Preisträgerin im Hinblick auf eine christliche Ethik des Schwangerschaftsabbruchs. Eine Ethik, die das soziale Erleben schwangerer Frauen ignoriere, sei weder sinnvoll noch sachgemäß. Frauen stünden unter dem Druck, Kinder in die berufliche Lebensplanung einzupassen. Konflikte hierbei müssten "individuell, sozialverträglich und möglichst unauffällig" gelöst werden. Die hohe Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen sei dabei der Preis für entsprechende gesellschaftliche Wertvorstellungen, so Kohler-Weiß in ihrer Studie.

Besonders problematisch ist nach Auffassung der Autorin, dass Schwangerschaftskonflikte durch vorgeburtliche Routineuntersuchungen oft erst produziert werden. Die Entscheidungsfreiheit der schwangeren Frau beinhaltet ihrer Meinung nach kein Recht auf Kenntnis der genetischen Ausstattung des Kindes. Aus christlicher Sicht impliziere die Elternschaft, die ja schon in der Schwangerschaft beginne, auch den Respekt vor dem Geheimnis des Kindes.

Christiane Kohler-Weiß hat in Heidelberg, Wien, Tübingen, Kiel und Straßburg Theologie studiert. Seit Beendigung ihres Studiums im Oktober 2002 arbeitet die Mutter von drei Kindern als Pfarrerin in Württemberg.

Der Hanna-Jursch-Preis wird von der EKD zum zweiten Mal verliehen. Er ist nach der Jenaer Kirchenhistorikerin Hanna Jursch benannt, die als erste Theologin 1934 habilitierte.

Hannover, 15. Juli 2003
Pressestelle der EKD
Anita Hartmann

Hinweis: Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.ekd.de/frauenreferat/3217_hanna-jursch.html

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