Neues Verfahren nach Kirchenasyl in Göttingen

Nachricht 07. Juli 2003

Göttingen (epd). Nach zwei Monaten im Kirchenasyl hat ein zunächst abgelehnter Asylbewerber aus der Türkei nun Aussicht auf ein Bleiberecht in Deutschland. Das Göttinger Verwaltungsgericht habe einem Eilantrag des Kurden auf Wiederaufnahme des Verfahrens stattgegeben, sagte der evangelische Ausländerpfarrer Peter Lahmann am Montag vor Journalisten.

Der 39-jährige Flüchtling lebte im Mai und Juni in Räumen der evangelischen Thomas-Gemeinde in Göttingen. "Wir wollten ihm eine Adresse geben, damit er sein Verfahren weiter betreiben konnte", sagte Lahmann. Das Verwaltungsgericht Osnabrück hatte den Asylantrag des Mannes zunächst abgelehnt, die Behörden forderten ihn zur Ausreise auf. Vor dem Kirchenasyl hielt sich der Flüchtlinge mehrere Monate lang versteckt.

Nach eigenen Angaben war der Asylbewerber Bauer in einem inzwischen zerstörten Dorf in den türkischen Kurden-Gebieten. In den neunziger Jahren habe er für die kurdische Arbeiterpartei PKK Lebensmittel, Unterkünfte und Informationen beschafft. Als die türkische Armee das Dorf besetzte, sei er von einem Soldaten mit dem Gewehrkolben auf den Kopf geschlagen worden und für eine Woche ins Koma gefallen. Später hätten ihn Polizisten in Istanbul unter anderem mit Stromstößen gefoltert.

Der Kurde, der Angang des Jahres 2001 nach Deutschland kam, leide bis heute unter den Folgen der Misshandlungen, sagte Lahmann. "Man sieht Narben am Kopf und am ganzen Körper. Er hat Kopfschmerzen, ist oft verwirrt und kann sich nicht erinnern." Mehrere Fachärzte in Deutschland stellten eine "posttraumatische Belastungsstörung" fest. Auf diese Gutachten berief sich nun auch das Göttinger Verwaltungsgericht. Bis zu einer endgültigen Asyl-Entscheidung des Gerichts lebt der Kurde als geduldeter Flüchtling in Bad Lauterberg.

Göttinger Kirchengemeinden haben in den vergangenen Jahren insgesamt rund 40 Flüchtlinge vorübergehend aufgenommen. "Alle Kirchenasyle waren erfolgreich", sagte Lahmann. Die von Abschiebung bedrohten Asylbewerber hätten neue Verfahren erreicht und größtenteils sogar ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht erhalten. Über mögliche Kirchenasyle in der Stadt berät und entscheidet ein Arbeitskreis, in dem Vertreter evangelischer und katholischer Gemeinden zusammenarbeiten. (epd Niedersachsen-Bremen/b2085/07.07.03)
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