Als Seemannspastor mehr als 10.000 Schiffe besucht

Nachricht 26. Juni 2003

Norbert Esser wird am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet

Von Jörg Nielsen (epd)

Emden (epd). Mehr als 10.000 Schiffe und deren Besatzung hat der Emder Seemanns-pastor Norbert Esser in den vergangenen 28 Jahren besucht. In dieser Zeit hat sich in der Schifffahrt viel verändert. "Von romantischer Seefahrt ist da nichts mehr zu spüren, das Le-ben an Bord ist viel härter geworden", sagt er. Am 29. Juni wird Esser in der Neuen Kirche in Emden in den Ruhestand verabschiedet.

Landkarten an den Wänden und ein großer geschnitzter Stuhl im Emder Seemannsheim zeugen von Essers westafrikanischer Zeit. Neun Jahre lang leitete er die große Station der Deutschen Seemannsmission in der togoischen Hauptstadt Lomé und weitere acht Jahre die Station in Gabun. 1992 kehrte er mit seiner Familie nach Deutschland zurück, um das See-mannsheim in Emden zu übernehmen.

In seiner Zeit als Pastor der Seeleute hat er auch den Wandel in der Seewirtschaft miter-lebt. "Nur noch wenige Schiffe fahren unter deutscher Flagge", berichtet Esser. Die großen Stückgutfrachter, die mehrere Tage im Hafen blieben und der Besatzung einen Landurlaub ermöglichten, sind durch moderne und effizientere Containerschiffe fast verdrängt worden.

"Als Seemann muss man so springen, wie der Reeder es will", sagt Esser und erzählt die Geschichte eines Bordelektrikers, kurz "Blitz" genannt: Nach nur wenigen Tagen Urlaub bei der Familie, beorderte ihn der Reeder sofort ins nächste Flugzeug, weil der Kollege auf einem anderen Schiff erkrankt. Im Streit verließ der "Blitz" seine Frau ohne sich zu verabschieden.

"Ein halbes Jahr später kam ich in Gabun an Bord dieses Schiffes", erinnert sich Esser. Der Elektriker war seit dem nicht von Bord gekommen und hatte noch keine Gelegenheit, sich bei seiner Frau zu entschuldigen. Verzweifelt bat er den Pastor, die Frau anzurufen. Die hatte den Streit längst vergessen. Eine Geschichte mit Happpy-End, doch habe er in den 28 Jahren viele Ehen scheitern sehen.

Menschen aus mehr als 40 Nationen kommen Jahr für Jahr in das Emder Seemannsheim. "Einige ehemalige Seeleute verleben hier ihren Ruhestand, andere warten auf ihr neues Schiff", sagt Esser. Ob Seemannsheime mit Übernachtungsbetrieb wie in Emden eine Zukunft haben, sei ungewiss. Die Zukunft gehöre den Clubs mit Internet und billigen Telefonen, wo sich die Seeleute ausruhen und mit ihren Familien Kontakt aufnehmen können. (epd/b1924)

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