"Lieber Gott, wie geht es meinem toten Hasen?"

Nachricht 26. Juni 2003

Kinder aus ganz Niedersachsen beteiligen sich an Gebetsaktion

Von Grit Weirauch (epd)

Hannover (epd). "Beten is' voll in, weil, wenn man nicht betet, hat man ja gar keinen, zu dem man reden kann, wenn keiner für einen da ist" - schreibt ein Dritt-Klässler der Grundschule Sittensen bei Rotenburg (Wümme). Beten ist unter Kindern beliebter als allgemein angenommen, bestätigt Lektorin Corina Kruse-Roth vom Lutherischen Verlagshaus in Hannover. Zu der im April vom Verlag gestarteten Kindergebets-Aktion "Lieber Gott, hör uns mal zu" sind inzwischen mehr als 120 Briefe und Zeichnungen von Kindern aus ganz Niedersachsen eingetroffen.

Grundschulen, Kindergärten und Kindergottesdienstgruppen malen und schreiben, was sie sich von Gott wünschen. Selbst Eltern und Großeltern schicken ihre liebsten Kindergebete. "Anfangs waren wir ein wenig skeptisch, ob Kinder heute überhaupt noch beten," erzählt Kruse-Roth: "Aber sie tun es in überraschendem Maße."

Mal wünschen sich die Kinder ein neues Pferd, mal aber auch nur einen Bleistift. Viele Gebete haben einen sehr pragmatischen Alltagsbezug. Vorherrschende Themen dabei sind das Essen ("Danke für die Nudeln!"), Fußball und Haustiere: "Lieber Gott, mach, dass ich heute keinen Ball ins Tor lasse!" oder "Lieber Gott, wie geht es meinem Hasen? Er ist tot. Amen."

Die meisten Kinder beten für sich, die Eltern und die Freunde, aber manchmal soll Gott auch einen Freund finden: "Lieber Gott im Himmel, schenke mir einen Freund, der mich respektieren kann als seinen besten Freund. Denn ich bin so oft allein und möchte nicht mehr traurig sein. Ich möchte spielen, lachen und reden, das wäre für mich ein Segen", schreibt ein Junge und malt zwei Fußball spielende Kinder unter das Bittgebet.

Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen reagieren begeistert auf die Einladung, die liebsten Gebete zu sammeln. "Durch die Aktion bekommen viele erstmals einen Impuls, Gebete in den Unterricht aufzunehmen", erklärt Kruse-Roth. Auch viele Kinder seien dadurch oft zum ersten Mal mit dem Thema Beten erst in Berührung gekommen. "Es ist nicht das liebste, selbst ausgedachte Gebet, sondern bis auf sehr wenige Ausnahmen das einzige Gebet der Kinder", schreibt die Klassenlehrerin Hannelore Müller-Brunßen der dritten Klasse der Halbtagsgrundschule Edewecht (Ammerland).

Die Kindergebets-Aktion unter Schirmherrschaft der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann läuft noch bis zum 30. Juni. "Aber auch wenn Einsendungen Anfang Juli kommen, nehmen wir sie an", versichert Kruse-Roth. Im September soll dann ein Buch mit einer Auswahl der Gebete erscheinen. Am ersten Adventswochenende wird das Buch "Lieber Gott, hör uns mal zu" auf den Kinder-Informations-Tagen, der zum zweiten Mal stattfindenden bundesweiten Kindermesse in Hannover, vorgestellt. Das Lutherische Verlagshaus wird dabei 50 Gewinne unter allen Einsendungen verlosen. (epd Niedersachsen-Bremen/ b1896/24.06.03)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
E-Mail: epd@lvh.de