Landesbischöfin: Entschieden gegen sexuellen Missbrauch vorgehen

Nachricht 23. Juni 2003

Hannover (epd). Die hannoversche Landeskirche will entschlossen gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch kirchliche Mitarbeiter vorgehen. "Unsere Arbeit lebt vom Vertrauen, deshalb darf es nicht ein einziges Anzeichen von Vertuschung oder Vernachlässigung solcher Vorwürfe geben", sagte Bischöfin Margot Käßmann am Freitag in Hannover in ihrem Bericht vor der Landessynode: "Wir müssen Jugendliche ermutigen, sexuelle Übergriffe unmittelbar anzuzeigen."

Die evangelische Bischöfin befürwortete ausdrücklich die fristlose Kündigung eines 50-jährigen Diakons im Kirchenkreis Ronnenberg bei Hannover, dem sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden. Hierfür lägen "glaubwürdige Zeugenaussagen" vor. Allerdings dürfe mit den Beschuldigungen nicht leichtfertig umgegangen werden. Es könne auch ungerechtfertigte Vorwürfe geben.

Vor den 100 Mitgliedern des Kirchenparlamentes zeigte sich Käßmann "zutiefst irritiert", dass die Öffentlichkeit eher die Sichtweise des Täters als die des Opfers wahrnehme. Kirchenvertreter, die für eine Entfernung aus dem Dienst plädierten, würden "in geradezu aggressiver Weise" öffentlich angegriffen.

Ablehnend äußerte sich die Bischöfin im "Kopftuchstreit" um die muslimische Lehrerin Fereshta Ludin aus Baden-Württemberg. Im Tragen eines Kopftuches im Unterricht sei der staatliche Grundsatz der Gleichheit zwischen Mann und Frau nicht repräsentiert. Die Bischöfin rief die Kirche weiter dazu auf, vehement für die Erhaltung christlicher Feiertage einzutreten, die von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement zur Disposition gestellt worden waren. (epd Niedersachsen-Bremen/b1889/20.06.03)
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