Landesbischöfin: Alle Getauften zum Abendmahl zulassen

Nachricht 05. Juni 2003

Potshausen /Kr. Leer (epd). Nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann gibt es keinen Grund, einen getauften Menschen vom Abendmahl auszuschließen. Sie bedauere, dass ausgerechnet bei dieser gemeinschaftsspendenden Feier die Spaltung der Kirchen so deutlich werde. Der ökumenische Kirchentag in Berlin habe gezeigt, dass das Kirchenvolk die Spaltung nicht mehr versteht, sagte die evangelische Theologin am Mittwoch vor Journalisten in Potshausen. Hier besuchte sie den ostfriesischen Generalkonvent, die Versammlung aller lutherischen Pastorinnen und Pastoren.

Von evangelischer Seite lägen alle Argumente für ein gemeinsames Mahl zwischen Protestanten und Katholiken auf dem Tisch, so die Bischöfin. "Land auf Land ab wird das gemeinsame Abendmahl in vielen Gemeinden schon praktiziert." Der eigentliche Stolperstein für die Ökumene sei der Papst. In Berlin sei deutlich geworden, dass sich vor allem die katholische Basis für die Ökumene und das gemeinsame Abendmahl engagiert.

Die ostfriesische Landessuperintendentin Oda-Gebbine Holze-Stäblein (Aurich) wirbt derweil bei ihren Lutheranern für das Abendmahl. In vielen Kirchengemeinden wirke noch der Missbrauch des Abendmahls als Mittel der Kirchenzucht nach. Im 17. Jahrhundert prägten reformierte Pietisten aus den Niederlanden ein Bewusstsein, dass nur derjenige, der schon frei von Sünden ist, würdig genug für das Abendmahl sei. Damit aber werde der Sinn der Feier auf dem Kopf gestellt.

Die Folgen seien bis heute zu spüren, sagte Holze-Stäblein: In einigen Kirchengemeinden werde nur zweimal im Jahr das Abendmahl gefeiert, statt wie empfohlen mindestens einmal im Monat. Darum werbe sie bei Besuchen in den Gemeinden immer für das Abendmahl, das für sie ein zentraler Punkt ihrer Frömmigkeit sei. (b1669/04.06.03)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
E-Mail: epd@lvh.de