Landesbischöfin Margot Käßmann: Abendmahl nicht zur "Provokation" machen

Nachricht 28. Mai 2003

Berlin/Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat davor gewarnt, das gemeinsame Abendmahl von Katholiken und Protestanten beim Kirchentag in Berlin "zu einer Provokation zu machen". "Ich wünsche mir, dass es offiziell möglich wird und nicht nur im Geheimen oder als Protestaktion", sagte die frühere Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages in einem Interview des Berliner "Tagesspiegels" vom Mittwoch.

Sie habe sich selbst auch überlegt, ob sie an den geplanten gemeinsamen Abendmahlen am Rande des ersten bundesweiten Ökumenischen Kirchentages in der Gethsemane-Kirche teilnehmen solle, sagte die Bischöfin der größten deutschen Landeskirche. Sie gehe aber "nicht zu einem Abendmahl, bei dem ich weiß: Ich bin nicht eingeladen nach der Lehre der römisch-katholischen Kirche".

Käßmann trat dafür ein, auf dem am Mittwochabend beginnenden Ökumenischen Kirchentag unter dem Leitwort "Ihr sollt ein Segen sein" auch Anstöße für grundlegende Reformen in der Gesellschaft zu geben. "Die Kirche muss darauf achten, dass nicht nur über Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger diskutiert wird, sondern Reformen auch in ganz anderen Bereichen gesucht werden", sagte die Bischöfin. Dies gelte zum Beispiel für die Steuerreform und den Abbau von Bürokratie.

Die Kirchen müssten immer wieder sagen: "Wir dürfen nicht auf Kosten der Schwachen sparen", so Käßmann in einem Interview der "Leipziger Volkszeitung" vom Mittwoch. Familien mit vielen Kindern, Arbeitslose und Einkommensschwache dürften nicht ins Zentrum der Spardebatte gerückt werden. (epd Niedersachsen-Bremen/b1609/28.05.03)


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