Tacheles: "Bilder des Krieges - Krieg der Bilder"

Nachricht 22. Mai 2003

Unsere dunklen Seiten in den Medien:
Bilder des Krieges – Krieg der Bilder

Premiere bei Tacheles – Phoenix überträgt die Talkshow der evangelischen Kirche erstmals live, vom Ökumenischen Kirchentag in Berlin am Himmelfahrtstag, 29. Mai, von 10.30 bis 13.00 aus Messehalle 10.1.

Über Bilder des Krieges – Krieg der Bilder streiten Prof. Dr. Peter Steinacker, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der Schauspieler und Intendant Peter Sodann, der Gewaltforscher Prof. Dr. Christian Pfeiffer, die Kriegsberichterstatterin Livia Klingl, der US-Journalist Don Jordan und der Golfkriegsveteran Steven Kuhn.

Bei kaum einem bewaffneten Konflikt waren Reporter so nah dran wie im Irak-Krieg – und doch ist die Skepsis groß, wie authentisch Journalisten berichten konnten. Sind Bilder der Gewalt ein Mittel, um aufzurütteln? Wird der Krieg zunehmend zum Medienhappening? Eine Diskussion in Zusammenarbeit mit dem EKD-Rundfunkbeauftragten.

„Die Panzer im Wüstensturm und das Feuerwerk über Bagdad sind schrecklich verführerische Bilder des Krieges", warnt Kirchenpräsident Peter Steinacker – das Leid sparten sie aus.

Livia Klingl ist Ressortchefin Außenpolitik beim Wiener Kurier und war Reporterin im Irak und in Afghanistan: „Viele männliche Kriegsberichterstatter erliegen der Faszination der Waffen“, zeigten lieber „gleißendes Metall im Abendrot“ statt das Leid der Opfer.

Der Schauspieler Peter Sodann ist wütend auf sensationshungrige Journalisten. „Ich hatte den Eindruck, die finden den Krieg sogar gut." Blutige Bilder seien überflüssig, Mitleid verspüre er auch so. Sodann erlebte als Neunjähriger, wie Dresden in Flammen aufging.

Der amerikanische Journalist Don Jordan mokiert sich über die deutschen Medien, die in der Berichterstattung über den Irak-Krieg die deutsche Angst kultiviert hätten. Dagegen hätten amerikanische Medien eher objektiv berichtet.

Der renommierte Gewaltforscher Christian Pfeiffer warnt vor einer abstumpfenden Wirkung von Gewaltdarstellungen. Vor allem junge Männer erhielten fatale Vorbilder.

Mit Rambo-Filmen eingestimmt, zog Steven Kuhn in den Krieg gegen Saddam Hussein - damals, als der irakische Diktator Kuwait überfallen hatte: „Ich war total aufgeputscht." Doch die Tage an der Front veränderten sein Leben. „Die Gesichter der toten irakischen Soldaten, ihre Augen, die ins Leere starrten, kriege ich nicht mehr aus meinem Kopf."

Am Stehtisch: Reda Sheta, Korrespondent des Ägyptischen Fernsehens über die Reaktionen auf die Kriegsbilder in der arabischen Welt.

Es moderieren Hanna Legatis (NDR) und Pastor Jan Dieckmann (Ev. Rundfunkreferat)

TV-Hinweis: Live-Übertragung am Donnerstag, 29. Mai, von 11.30 bis 13.00 Uhr, Wiederholung am Samstag, 31. Mai, von 22.15 bis 23.15 Uhr, und Sonntag, 1. Juni, von 17 bis 18 Uhr auf Phoenix, dem Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF.

Hörfunk: NDR Info, das Informationsprogramm des Norddeutschen Rundfunks, strahlt eine Zusammenfassung der Debatte am 30. Mai um 19.40 Uhr aus.

Internet: Der Talk am roten Tisch wird dokumentiert unter www.tacheles.net, dort wird auch im Vorfeld diskutiert.