Krieg im Irak - Links und Infos zum Thema

Nachricht 20. März 2003

Friedensgebete auf der Homepage des Hauses kirchlicher Dienste

Kirchliche Stellungnahmen zum Irakkonflikt
- mit der Gemeinsamen Erklärung von EKD, DBK und ACK vom 20.3.

Pressemitteilungen aus den Gliedkirchen der EKD

epd-Spezial zum Irakkrieg

Friedensgebete (Bayern)

Themen-Special bei www.predigten.de

Friedensgebete bei den Göttinger Predigten im Internet

Kirche gegen den Krieg - Webseite der Ev. Kirche in Hessen und Nassau

Kirchen bestürzt über Irak-Krieg: Überall rufen Glocken zu Friedensgebeten
Evangelische und katholische Kirchenleiter sprechen von einer “Niederlage für die Menschheit”
B e r l i n / G e n f (idea)
– Mit Trauer und Bestürzung haben die Kirchen in Deutschland auf den Beginn des Militärschlags gegen den Irak reagiert. Im ganzen Land rufen Kirchenglocken zu Friedensgebeten und Gottesdiensten. Die ökumenischen Dachverbände verurteilen den Krieg. Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Konrad Raiser (Genf), hält den Waffengang der USA und ihrer Verbündeten für “unmoralisch, illegal und unklug”. Dem “Weg des Blutvergießens” widersprechen in einer gemeinsamen Erklärung der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Manfred Kock (Düsseldorf), der Vorsitzende des katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann (Mainz), und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), der evangelisch-methodistische Bischof Walter Klaiber (Frankfurt am Main). Krieg sei immer eine “Niederlage der Menschheit”. Das Mitgefühl der Kirchenmitglieder, die rund zwei Drittel der Bevölkerung Deutschlands stellen, gehöre den Opfern. Im Gebet um Frieden vereinen sich Christen verschiedener Konfessionen. Um 12 Uhr mittags begannen stündliche Andachten in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Am Abend leiteten der berlin-brandenburgische Bischof Wolfgang Huber und sein katholischer Amtskollege, Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky, einen Bittgottesdienst mit Kock und Lehmann. Am 21. März wollen hohe Kirchenrepräsentanten und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) in Duisburg zunächst eine Moschee besuchen und dann an einem ökumenischen Friedensgebet mit dem rheinischen Vizepräses Nikolaus Schneider (Düsseldorf) und dem Essener Weihbischof Franz Grave teilnehmen.

Alle sind gescheitert: Politik, Militär, UNO, USA, Irak

Die Kirchenleiter in Niedersachsen und Bremen betonten, daß durch den Irak-Krieg alle gescheitert seien - “Politik und Militär, die Verantwortlichen in den USA und im Irak, in der UNO und ihren Mitgliedsnationen”. Das erklärten die katholischen Bischöfe Josef Homeyer (Hildesheim) und Franz Josef Bode (Osnabrück) zusammen mit den evangelischen Kirchenleitern Margot Käßmann (Hannover), Walter Herrenbrück (Evangelisch-reformierte Kirche, Leer), Peter Krug (Oldenburg), Friedrich Weber (Braunschweig), Jürgen Johannesdotter (Schaumburg-Lippe) und Louis-Ferdinand von Zobeltitz (Bremen). In Baden-Württemberg protestierten die Landesbischöfe Gerhard Maier (Württemberg) und Ulrich Fischer (Baden) mit ihren katholischen Kollegen Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) und Paul Wehrle (Freiburg) dagegen, daß der Krieg mit einem “Sendungsbewußtsein” der USA legitimiert werde solle. Ihr Protest sei aber nicht als “anti-amerikanisch” zu verstehen.

Hessen-Nassau: Kirchenglocken läuten im Viertelstundentakt

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau wird am 22. März von 10 bis 20 Uhr im Viertelstundentakt die Glocken in jeweils einer anderen Kirche läuten lassen und zu Gebeten rufen. “Kein Argument der Welt rechtfertigt einen Präventivschlag”, erklärte der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Manfred Sorg (Bielefeld). Der kurhessen-waldeckische Bischof Martin Hein (Kassel) sieht den Krieg als “Niederlage für die politische Vernunft” an. Nach Ansicht des braunschweigischen Landesbischofs Friedrich Weber (Wolfenbüttel) entspricht der Waffengang nicht den kirchlichen Kriterien eines “gerechten Kriegs”. Der Thüringer Landesbischof Christoph Kähler erklärte: “Dieser Krieg bombt die Weltfamilie um Jahrzehnte zurück.” Er rief mit dem Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Axel Noack (Magdeburg), alle Gemeinden auf, nicht nachzulassen, für den Frieden zu beten. In der Dresdner Kreuzkirche beteten der sächsische Landesbischof Volker Kreß (Dresden) und der katholische Bischof Joachim Reinelt (Meißen) für den Frieden. Der pommersche Landesbischof Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald) kritisierte in einer Rundfunkansprache: “Mit Blut und Bomben kann man keine Demokratie bauen.”

Diakonisches Werk Hamburg errichtet “Klagemauer”

Die nordelbischen Bischöfinnen und Bischöfe Maria Jepsen (Hamburg), Bärbel Wartenberg-Potter (Lübeck) und Hans Christian Knuth (Schleswig) erklärten: “Gemeinsam mit Christen, Juden und Muslimen auf der ganzen Welt wissen wir uns von Gott zum Friedenstiften berufen, sehnen wir uns nach dem Ende des Krieges, nach Frieden und fordern ein schnelles Ende der kriegerischen Gewalt.” Das Diakonische Werk Hamburg errichtete eine “Klagemauer” aus Karten, auf denen Bürger ihre Sorgen und Ängste notieren. Der pfälzische Kirchenpräsident Eberhard Cherdron (Speyer) erklärte, manche Christen, die sich für ein Nein zum Krieg ausgesprochen hätten, fühlten sich jetzt ohnmächtig gegenüber der Entscheidung der USA. Sie sollten aber den Mut nicht sinken lassen, daß das gemeinsame Eintreten für Frieden auf Dauer doch Wirkung zeige.

Bayern: Einsatz für Christen im Nordirak

Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich, der mit dem Münchner Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter, sowie Vertretern der evangelisch-methodistischen und der anglikanischen Kirche zu Friedensgebeten aufrief, setzt sich besonders für die Christen im Nordirak ein. Die bayerische Landeskirche unterstützt sie seit 1997 geistlich und finanziell. Jetzt sei eine große Flüchtlingswelle zu erwarten. Am Friedensgebet nahm auch der Pfarrer der in München lebenden chaldäischen Christen, Peter Patto, teil. Die mit der römisch-katholischen Kirche verbundenen Chaldäer bilden eine christliche Minderheit von etwa 500.000 Angehörigen im Irak.

Hilfswerke: Irak-Krieg verstößt gegen das Völkerrecht

Unterdessen laufen die humanitären Hilfsaktionen verschiedener christlicher Hilfswerke an. Misereor (Aachen), “Brot für die Welt” (Stuttgart) und der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) verurteilten den Krieg. Der EED-Vorsitzende Konrad von Bonin (Bonn), appellierte an jene Staaten, die sich gegen einen Irak-Krieg ausgesprochen haben, sich dafür einzusetzen, daß “das Völkerrecht nicht noch weiter verletzt wird”. Die Katastrophenhilfe des Diakonischen Werks will zusammen mit dem Mittelöstlichen Kirchenrat und dem ökumenischen Hilfswerk ACT bis zu 16.000 Menschen im Irak mit dem Nötigsten versorgen. Auch Freikirchen wie der Baptistische Weltbund haben zur Hilfe aufgerufen. Der Direktor des christlich-humanitären Hilfswerks “World Vision Deutschland”, Günther Bitzer (Friedrichsdorf), hält den Irak-Krieg ebenfalls für völkerrechtswidrig. Man gehe derzeit von einem Strom von 600.000 Flüchtlingen aus und stelle sich darauf ein, ihnen in Anrainerstaaten wie Jordanien, Syrien, Kuwait, Türkei oder Iran beizustehen.
(033/2003/3)
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