Zum drohenden Krieg im Irak / akt. 19.3.

Nachricht 19. März 2003

Angehörige verschiedener Religionen gegen Irak-Krieg

Hannover (epd). Mit einer Mahnwache wollen Angehörige verschiedener Religionen am Mittwoch, dem 26. März, in Hannover gegen den bevorstehenden Irak-Krieg protestieren. Ein Krieg bedeute für das irakische Volk und für den ganzen Mittleren Osten eine "menschliche und soziale Katastrophe", erklärte Horst Vorderwülbecke für den "Aktionskreis der Religionen und Kulturen" und den hannoverschen Zweig der "Weltkonferenz der Religionen für den Frieden" am Mittwoch.

Für die Hinwendung zum Frieden sei es nie zu spät, so der Katholik Vorderwülbecke. Die Regierenden sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren. Die Mahnwache beginnt um 17 Uhr auf dem Platz der Weltausstellung in Hannovers Innenstadt. Sie soll künftig jeden Mittwoch stattfinden. (epd Niedersachsen-Bremen/b0779/19.03.03)
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Grüne und EKD vereint in Ablehnung eines Irak-Krieges
Parteivorsitzende Beer: Pazifismus reicht für Politik nicht aus

B a y r e u t h (idea) – Übereinstimmung mit der ablehnenden Position der EKD zu einem möglichen Irak-Krieg hat die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Angelika Beer (Berlin), bekundet. Bei der Gesamtkonferenz Evangelischer Militärgeistlicher wies die Verteidigungsexpertin am 12. März in Bayreuth darauf hin, daß Krieg lediglich als letztes Mittel angewendet werde dürfe. “Dieser Punkt ist heute noch nicht erreicht.” Gleichzeitig wandte sie sich gegen radikalpazifistische Positionen. Der Pazifismus sei zwar ehrenwert und ein “gewaltfreier Stachel in der Gesellschaft”, als Grundlage für politische Entscheidungen reiche er aber nicht aus. Als Beispiel nannte sie die ethnischen Verfolgungen im Kosovo, die nur durch einen militärischen Einsatz der NATO hätten eingedämmt werden können.

Drohkulisse der USA “völlig überzogen”
Das einseitige Vorgehen der Amerikaner ist nach Ansicht der Parteivorsitzenden ein “Angriff auf das Gewaltmonopol der Vereinten Nationen”. Nur eine Mehrheit bei der UN könne einen Krieg legitimieren. Ein Krieg ohne diese Mehrheit stehe unter dem “heftigen Verdacht der Illegalität”. Frau Beer räumte ein, daß die amerikanische “Drohkulisse” die Bereitschaft des Irak zur Kooperation mit den Waffeninspektoren gefördert habe. Allerdings sei der militärische Aufmarsch inzwischen völlig überzogen und könnte dazu führen, daß US-Präsident George W. Bush die Soldaten nun einsetzen müsse, um in bestimmten Kreisen nicht als Versager zu gelten.

Weg zum Militärpfarrer einfacher als zum Psychologen
Frau Beer nannte den Einsatz von Militärseelsorgern insbesondere bei Auslandseinsätzen unverzichtbar. Sie selbst sei zwar nicht Mitglied einer Kirche, doch habe sie das positive Wirken von Geistlichen erlebt – etwa als Begleiter von Soldaten, die im Kosovo im Massengräber absichern mußten. Der Weg zum Militärpfarrer sei für viele Soldaten einfacher als der Weg zum Truppenpsychologen. Bei Besuchen in Bosnien habe sie einen “Ansturm” der Soldaten auf Einrichtungen der Militärseelsorge miterlebt. Frau Beer versprach, daß die rot-grüne Bundesregierung die Situation für Truppenangehörige im Auslandseinsatz verbessern werde. Einer Studie zufolge gingen 50 Prozent der Partnerschaften von Soldaten während des sechs Monate dauernden Auslandsaufenthaltes zu Bruch. Eine großzügigere Urlaubsregelung solle dieses Problem entschärfen.

Pensionierte Militärpfarrer im Einsatz
Zur Evangelischen Militärseelsorge in Deutschland gehören derzeit rund 125 Pfarrer. Geleitet wird sie seit 1994 von Militärbischof Hartmut Löwe (Bonn). Er gibt sein Amt in diesem Sommer ab. Löwe teilte in seinem letzten Bericht vor der Gesamtkonferenz mit, daß derzeit bis zu acht Militärgeistliche im Auslandseinsatz seien. Die Vertretung in den Kasernen in Deutschland übernähmen zunehmend pensionierte Militärpfarrer. Das habe sich bewährt. (029/2003/2)
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Großes Friedenstransparent an Oldenburger Lambertikirche

Oldenburg (epd). Ein 24 Quadratmeter großes Transparent mit der Aufschrift "No War" (Kein Krieg) ist am Freitag auf dem Oldenburger Rathausplatz an der evangelischen Lambertikirche befestigt worden. Mit dem Transparent wollten Oldenburger Friedensgruppen zusammen mit der Kirchengemeinde "ein weit sichtbares Zeichen gegen einen möglichen Irak-Krieg setzen", sagte Friedensaktivist Jens Ilse dem epd.

Pastorin Ruth Dannemann begrüßte das Friedensplakat an ihrer Kirche: "Es muss Sache der Christen sein für den Frieden zu beten und dies auch offen nach außen zu zeigen." Es mache ihr Angst, dass viele Menschen das Töten von Menschen für politische Zwecke in Kauf nähmen, sagte sie. Hier sei eine "ethische Hemmschwelle" verschwunden. (epd Niedersachsen-Bremen/b0681/07.03.03)Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
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Kock: Keine Kreuzzüge in Christus Namen
Ratsvorsitzender predigt in Washington

In seiner Predigt vor der deutschen Gemeinde in Washington am Samstag, den 8. März, warnt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, vor den Verführungen weltlicher Macht. Christus habe der Versuchung widerstanden, "Kreuzzüge waren niemals seine Sache".

Das Matthäusevangelium, Kapitel 4, 1-11, erzählt, wie Jesus in der Wüste dem Teufel begegnet. "Die Geschichte riecht nach Schwefel und Mittelalter", so Kock. Auf den ersten Blick scheine sie nichts mit unserer Zeit zu tun zu haben. Aber hinter den Versuchungen stünden grundlegende Motivationen menschlichen Handelns: die Sehnsucht nach Sicherheit, Ehrgeiz und Machtstreben.

Die Herausforderung des Teufels, Jesus solle Steine in Brot verwandeln, ziele auf das Bedürfnis nach materieller Sicherheit. Natürlich seien Menschen um äußere Sicherheit bemüht, sagt Kock. Dieses Bemühen "gibt bei Wahlen den Ausschlag, führt zu Kriegsvorbereitungen und formt das Leben von Individuen". Der Preis hierfür sei jedoch häufig innere Leere und geistlicher Tod.

"Wie kann Gott das zulassen?" werde von Menschen in verzweifelter Situation gefragt. Warum reagiert er nicht auf unser Gebet? Gott ließe sich nicht für menschliche Wünsche instrumentalisieren, so der Ratsvorsitzende weiter. Der Teufel will Christus verleiten, vom Tempel zu springen und damit Gott zum Eingreifen zu bewegen. "Gott lässt sich nicht zwingen", sagt Kock. Er erspare uns nicht das Leid. Vertrauensvoller Glauben "erwartet Gottes Hand auch in der tiefsten Finsternis."

Zuletzt verspricht der Teufel Jesus die Herrschaft über die Welt. Aber Jesus widersteht der Versuchung der Macht. Das Streben nach Einfluss könne in guter Absicht geschehen, erklärt der Präses. Wenn Menschen überzeugt seien: "Wir wollen der Sache Gottes helfen." Aber jede Machtausübung aus religiösen Gründen, so vernünftig sie auch klingen mögen, führe zu Katastrophen.

Wir können uns entscheiden, so Kock: Entweder dem Versucher zu folgen, der uns verspreche, uns zu kleinen Göttern zu machen. Oder Jesus zu folgen auf einem "unbestechlichen, demütigen, schmalen Pfad".

Hannover, den 7. März 2003 Pressestelle der EKD Silke Fauzi

Evangelische Jugend demonstriert gegen Irak-Krieg

Einbeck (epd). Die Evangelische Jugend im Kirchenkreis Leine-Solling plant in Einbeck eine Demonstration gegen den drohenden Irak-Krieg. Am 7. März sollen auf dem Marktplatz eine Kundgebung, ein Konzert und andere Aktionen stattfinden, kündigte ein Sprecher am Donnerstag an. Der Aktionstag mit dem Motto "Wir sagen Nein zum Krieg" beginnt um 18 Uhr. (epd Niedersachsen-Bremen/b0580/27.02.03)
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Internationale Kirchenführer warnen in Washington vor Irakkrieg

Bei einem Treffen in Washington D.C. haben sich Kirchenführer aus Europa und den USA am Mittwoch, den 26. Februar, erneut für eine friedliche Lösung des Irakkonfliktes ausgesprochen. Die internationalen Kirchenvertreter, darunter auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, bekräftigten in einer Resolution, dass sie einen Krieg gegen den Irak für unmoralisch und unklug halten. Kock leitet eine Delegation der EKD, die sich zur Zeit auf einer Reise durch die USA befindet.

Sie seien bestrebt, durch ihr Treffen und gemeinsames Gebet zu einer Verhinderung eines Krieges beizutragen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende vor dem Sitz des amerikanischen Kongresses auf Capitol Hill. "Ich weiß, dass das möglicherweise nichts bewirkt", so Kock. "Aber es ist wichtig, dass die Menschen wissen: Es darf nicht gegen die Kinder und gegen die Zivilbevölkerung gehen."

Ein Krieg sei Ursache von unermesslichem Leid, heißt es in der Erklärung, die unter anderem von Reverend Al McDonald als Vertreter von Kirchen aus Großbritannien und von Jim Winkler von der Vereinigen Methodistischen Kirche (United Methodist Church) in den USA unterzeichnet wurde.

Der Ratsvorsitzende warnte vor einer religiösen Begründung eines Krieges: "Die Verbindung von Religion und der Begründung von Krieg ist immer ein großes Problem", so Kock.

Die Delegation der EKD wird sich noch bis zum 9. März in den USA aufhalten und dort Gespräche mit Vertretern von Kirchen, des UN-Sicherheitsrates und der Wirtschaft führen.

Hannover, den 27. Februar 2003 Pressestelle der EKD Silke Fauzi

Ueberblick ueber kirchliche Stellungnahmen
Zum schnellen Ueberblick ueber kirchliche Stellungnahmen zum Irakkonflikt hat die Internetarbeit der EKD eine aktuelle Seite online gestellt, auf der entsprechende Aeusserungen aus der EKD, den Landeskirchen und Werken sowie der Oekumene chronologisch aufgefuehrt werden. Einige interessante Beitraege aus Medien sind ebenso abrufbar wie Seiten mit Anregungen zu Gebeten fuer den Frieden sowie Material fuer Andachten und Gottesdienste. Hinzu wird auf den Fuerbittendienst vom Informationszentrum Dritte Welt des Kirchenkreises Herne/Castrop-Rauxel fuer die Aktion ebenso hingewiesen wie auf weitere Sammlungen zum Thema. Damit wird u.a. auch deutlich, wie frueh die EKD eine erste Stellungnahme zum Irakkonflikt abgegeben hat, bereits im September 2002. Wer nicht lange suchen will, sollte diese Seite aufrufen.
Weitere Informationen unter:
http://www.ekd.de/irak/ http://www.friedensgebete.de

Pastorinnen und Pastoren sagen "Nein" zum Irak-Krieg

Uelzen/Soltau (epd). Pastorinnen und Pastoren aus den evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Uelzen wenden sich gegen einen Angriffskrieg gegen den Irak. "Wir halten es für eine gefährliche Illusion, durch Krieg Frieden und Recht schaffen zu wollen", schreiben die 38 Unterzeichnenden in einer Erklärung vom Freitag.

Sie rufen Menschen ihrer Region ebenso wie Regierungen dazu auf, gegen den Krieg zu protestieren und aktiv für den Frieden einzutreten. Die irakische Bevölkerung leide unter dem diktatorischen Regime Saddam Husseins und dem Embargo. Ein Krieg werde nur noch mehr Elend bringen. Es müsse alles getan werden, um die Waffenkontrollen im Irak mit zivilen Mitteln sicherzustellen. Die UN-Inspektoren sollten ohne Zeitdruck arbeiten können, schreiben die Kirchenvertreter.

Eine ähnliche Erklärung hatte am Donnerstag der Pfarrkonvent des Kirchenkreises Soltau verabschiedet. Das Gremium, dem sämtliche Pastorinnen und Pastoren im Kirchenkreis sowie einige Diakone angehören, unterzeichnete symbolisch einen entsprechenden Text, den Kirchenführer aus Europa, den USA und dem Nahen Osten veröffentlicht hatten. Die Kirchenvertreter laden zu Friedensgebeten ein. (epd Niedersachsen-Bremen/b0470/14.02.03)Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
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Tacheles - Die Talk-Show der evangelischen Kirche hatte am 4. Februar das Thema "Deutsch-amerikanische Eiszeit - Wo endet unsere Bündnistreue?"
Gäste waren Landesbischöfin Margot Käßmann, Wolfgang Schäuble, Vize-Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, der Bundesvorsitzenden der Grünen, Angelika Beer, der amerikanische Journalist Don Franklin Jordan und der deutsch-jüdische Historiker Michael Wolffsohn.

Die Diskussion im Wortlaut, Statements von Margot Käßmann und Wolfgang Schäuble sowie weitere Hintergrundinformationen stehen unter der Adresse www.tacheles.net.

Verantwortliche der Kirchen vereint gegen einen Krieg im Irak / Erklärung

Kirchenführer aus Europa, den USA und dem Nahen Osten haben sich am Mittwoch, den 5. Februar, bei einem Treffen in Berlin in einer Resolution für eine friedliche Lösung der Irak-Krise ausgesprochen. Nachdrücklich fordern sie, den UN-Inspektoren ausreichend Zeit für ihre Arbeit zu lassen. Die Ziele, die besonders von den USA zur Begründung eines Krieges gegen den Irak angeführt würden, seien nicht akzeptabel, heißt es in der Erklärung. Die leitenden Kirchenvertreter rufen die Regierung des Irak dazu auf, alle Massenvernichtungswaffen zu zerstören und in jeder Hinsicht mit den UN-Inspektoren zusammen zu arbeiten.

Die Erklärung im Wortlaut:

Verantwortliche der Kirchen vereint gegen einen Krieg im Irak

1. Als Verantwortliche aus Kirchen in Europa, in Beratung mit den Kirchenräten in den USA und dem Nahen Osten, sind wir äußerst besorgt über die nicht nachlassenden Forderungen der USA und einiger europäischer Regierungen nach militärischen Aktionen gegen den Irak. Als Menschen des Glaubens drängt uns die Liebe zu unseren Nächsten dazu, gegen Krieg Widerstand zu leisten und friedliche Konfliktlösungen zu suchen. Als Kirchen beten wir für Frieden und Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit für die Menschen im Irak und im Nahen Osten insgesamt. Solches Beten verpflichtet uns, Werkzeuge des Friedens zu sein.

2. Wir bedauern, dass die mächtigsten Nationen dieser Welt Krieg wieder als ein akzeptables Mittel der Außenpolitik betrachten. Dies schafft ein internationales Klima der Furcht, Bedrohung und Unsicherheit.

3. Wir können die Ziele, die von diesen Regierungen, insbesondere den USA, zur Begründung eines Krieges gegen den Irak angeführt werden, nicht akzeptieren. Ein präventiver kriegerischer Angriff als Mittel, um die Regierung eines souveränen Staates auszuwechseln, ist unmoralisch und stellt eine Verletzung der UN-Charta dar. Wir appellieren an den Sicherheitsrat, an den Grundsätzen der UN-Charta festzuhalten, die die legitime Anwendung militärischer Gewalt eng begrenzen, und zu vermeiden, dass ein negativer Präzedenzfall geschaffen wird, der die Hemmschwelle erniedrigt, gewaltsame Mittel zur Lösung internationaler Konflikte einzusetzen.

4. Wir glauben, dass militärische Gewalt ein ungeeignetes Mittel ist, um die Abrüstung irakischer Massenvernichtungswaffen zu erreichen. Wir bestehen darauf, dass für die sorgfältig geplanten Maßnahmen der UN-Waffeninspektionen genügend Zeit eingeräumt wird, um die Arbeit zu Ende führen zu können.

5. Alle Mitgliedsstaaten der UNO müssen sich an bindende UN-Resolutionen halten und Konflikte durch friedliche Mittel lösen. Der Irak kann keine Ausnahme sein. Wir rufen die Regierung des Irak dazu auf, alle Massenvernichtungswaffen zu zerstören und damit verbundene Forschung und Produktionsstätten aufzugeben. Der Irak muss in jeder Hinsicht mit den UN-Inspektoren zusammenarbeiten und allen seinen Bürgern die volle Anerkennung der bürgerlichen und politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte garantieren. Den Menschen im Irak muss die Hoffnung gegeben werden, dass es Alternativen sowohl zu Diktatur als zu Krieg gibt.

6. Ein Krieg hätte unannehmbare Folgen für die Situation der Menschen, u.a. die Entwurzelung von großen Teilen der Bevölkerung, den Zusammenbruch staatlicher Funktionen, die Gefahr von Bürgerkrieg und Destabilisierung der ganzen Region. Das Leiden irakischer Kinder und der unnötige Tod hunderttausender Iraker während der letzten zwölf Jahre der Sanktionen lasten schwer auf unseren Herzen. In der gegenwärtigen Situation bekräftigen wir mit Nachdruck das seit langem geltende humanitäre Prinzip, bedingungslosen Zugang zu Menschen in Not zu gewähren.

7. Außerdem warnen wir vor den möglichen sozialen, kulturellen und religiösen, aber auch diplomatischen Langzeitfolgen eines solchen Krieges. Weiteres Öl in das Feuer der Gewalt zu gießen, das die Region bereits auffrisst, wird den Hass nur noch weiter anfachen, indem extremistische Ideologien gestärkt und weitere globale Instabilität und Unsicherheit genährt werden. Als Verantwortliche aus Kirchen in Europa haben wir eine moralische und pastorale Verpflichtung, Fremdenhass in unseren Ländern entgegenzutreten und den Menschen in der muslimischen Welt die Furcht zu nehmen, die sogenannte westliche Christenheit stelle sich gegen ihre Kultur, Religion und Werte. Wir müssen die Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde suchen.

8. Alle Regierungen, insbesondere die Mitglieder des Sicherheitsrates haben die Verantwortung, diese Frage in ihrer ganzen Komplexität zu bedenken. Es sind noch nicht alle friedlichen und diplomatischen Mittel ausgeschöpft worden, um den Irak zu zwingen, den Resolutionen des UN Sicherheitsrates zu folgen.

9. Es ist für uns eine geistliche Verpflichtung, die sich auf Gottes Liebe zur ganzen Menschheit gründet, uns gegen den Krieg im Irak zu stellen. Mit dieser Botschaft senden wir ein starkes Zeichen der Solidarität und Unterstützung an die Kirchen im Irak, im Nahen Osten und in den USA. Wir beten, dass Gott die Verantwortlichen leiten möge, Entscheidungen zu treffen, die auf der Basis sorgfältiger Überlegung, moralischer Prinzipien und hoher rechtlicher Standards beruhen. Wir laden alle Kirchen ein, sich uns in diesem Zeugnis anzuschließen, für eine friedliche Lösung dieses Konflikts zu beten und alle Menschen zu ermutigen, sich am Ringen um eine solche Lösung zu beteiligen.

Aufruf von Verantwortlichen aus europäischen Kirchen bei einem Treffen in Berlin, am 5. Februar 2003,einberufen vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Absprache mit der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), dem Nationalen Kirchenrat in den USA (NCCCUSA) und dem Mittelöstlichen Kirchenrat (MECC), auf Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die Liste der Teilnehmenden:

Präses Manfred Kock, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), in der 24 lutherische, reformierte und unierte Gliedkirchen zusammen geschlossen sind. Als oberster Repräsentant vertritt der Ratsvorsitzende rund 26 Millionen evangelischer Christen in Deutschland. (www.ekd.de)

Bischof Dr. Rolf Koppe, Leiter der Hauptabteilung Ausland und Ökumene im Kirchenamt der EKD (www.ekd.de)

Dr. Konrad Raiser, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, ÖRK
(www.wcc-coe.org)

Dr. Keith Clements, Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen, KEK (www.cec-kek.org)

Bischof Dr. Walter Klaiber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), (www.oekumene-ack.de),
Bischof und damit oberster Geistlicher der Evangelisch-Methodistischen Kirche (Deutschland) (www.emk.de)

Präsident Jean-Arnold de Clermont, Präsident der Fédération Protestante de France, die 16 Gliedkirchen, 60 Gemeinschaften und 500 Institutionen, Organisationen und Bewegungen vertritt, mit rund 1.100.000 Mitgliedern. (www.protestants.org)

Bischof Mag. Herwig Sturm, Evangelische Kirche Augsburger Bekenntnisses (A. B.) in Österreich, oberster Repräsentant der rund 350.000 evangelisch-lutherischen Christen Österreichs. (www.evang.at)

Präsident Thomas Wipf, Vorstands-Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), in dem 26 Gliedkirchen vertreten sind. SEK ist das Schweizer Pendant zur EKD, Wipf ist dem
EKD-Ratsvorsitzenden zu vergleichen (www.sek.ch)

Bischof Jonas Jonsson, Bischof der rund 7,4 Millionen Mitglieder umfassenden Schwedischen Kirche (Svenska kyrkan). Bischof Jonsson wird begleitet von Pastor Kjell Jonasson, der im vergangenen Dezember den Irak
besucht hat (www.svenskakyrkan.se)

Probst Trond Bakkevig, Norwegische Kirche. Bakkevig ist Mitglied des Zentralkomitees des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und norwegischer Kandidat für das Amt des ÖRK-Generalsekretärs. Die Norwegische Kirche (Norske Kirke) hat rund 4,5 Millionen Mitglieder, das sind 86,5 Prozent aller Norweger (www.kirken.no)

Erzbischof Jukka Parma, Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands, oberster Repräsentant seiner Kirche (Suomen Evankelis-Luterilainen Kirkko), die 4,5 Millionen Mitglieder hat (84,8 Prozent aller Einwohner Finnlands) (www.evl.fi)

Bischof Karsten Nissen, Evangelisch-Lutherische Kirche in Dänemark (Evangelisk-Lutherske Folkekirke in Danmark, 5,1 Millionen Mitglieder, entspricht 87,7 Prozent aller Dänen), Bischof von Viborg, Vorsitzender des Programmausschusses des Lutherischen Weltbundes (www.folkekirken.dk)

Dr. Alison Elliot, Kirche von Schottland (Church of Scotland), Co-Direktor des Zentrums für Theologie und Öffentliche Angelegenheiten der Universität Edinburgh und Mitbegründer der Aktion "Churches Together in
Scotland" (ACTS) (www.churchofscotland.org.uk)

Pfarrer Arie W. van der Plas, Vorsitzender der Generalsynode der Niederländische Reformierte Kirche und Vorsitzender des Moderamen der Protestantische Kirche in der Niederlände(www.unitingprotestantchurches.nl)

Erzbischof Feofan, Russisch-Orthodoxe Kirche, ist Erzbischof von Berlin und Deutschland
(www.r-o-k.de)

Bischof Athanasius von Achaja, Kirche von Griechenland (Church of Greece) (www.ecclesia.gr)

Rev. Dr. Nuhad Daoud Tomeh, Sonderbeauftragter des Generalsekretariats des Middle East Council of Churches (MECC), Pastor der Presbyterian Church of
Syria and Lebanon (www.mecchurches.org)

Dr. Bob Edgar, Generalsekretär des National Council of Churches (NCCC), USA (www.ncccusa.org)

James Winkler, Generalsekretar des General Board of Church and Society der United Methodist Church, USA (www.umc.org)

Dr. Rebecca Larson, Executive Director der Division for Church and Society der Evangelical-Lutheran Church in America, USA (www.elca.org)

Mister Thor Arne Prois (Director of ACT/Action of Churches Together, Genf)

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Europäische Kirchen für friedliche Lösung des Irakkonfliktes

Jahrestagung des gemeinsamen Ausschusses von KEK und CCEE

Auf seiner Jahrestagung vom 30. Januar bis 2. Februar in Bukarest hat sich der Gemeinsame Ausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der katholische Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) ausdrücklich für eine friedliche Lösung des Irakkonfliktes ausgesprochen. In der Abschlusserklärung, die auch von katholischen Bischöfen aus England und Polen unterzeichnet wurde, fordert der Ausschuss die politisch Verantwortlichen auf, alle nur möglichen gewaltfreien Mittel zu nutzen, um einen Ausweg aus der gegenwärtigen Sackgasse zu finden.

Die Gedanken der Ausschussmitglieder seien die ganze Zeit bei der drohenden Gefahr eines bewaffneten Konfliktes mit dem Irak, heißt es in der Abschlusserklärung. "Alle politisch Verantwortlichen in der Welt" seien zum Einsatz für den Frieden verpflichtet. So fordert der Ausschuss die politischen Führungskräfte auf, "entsprechend internationalem Recht und moralischen Normen zu handeln" und die gewaltfreien Mittel zu nutzen, "um wahrhaftige Gerechtigkeit und wirklichen Frieden zu gewährleisten."

Angesichts der "scheinbar endlosen Tragödie des Mittleren Ostens" äußerten die Vertreter der evangelischen, orthodoxen und katholischen Kirchen Europas ihre "Solidarität mit den christlichen Gemeinschaften und allen Opfern der Gewalt in dieser Region".

Der Gemeinsame Ausschuss richtete sein Augenmerk auch auf die künftige Gestaltung der Europäischen Union. Er bekräftigte ausdrücklich die Vorschläge, die die Konferenz Europäischer Kirchen und die Kommission der Bischofskonferenzen in der Europäischen Union (ComECE) dem Verfassungskonvent unter der Leitung von Valerie Giscard D'Estaing gemacht hat. Der Status von Kirchen, Religionsgemeinschaften und nicht-konfessionellen Organisationen solle entsprechend der jeweiligen nationalen Gesetzgebung respektiert und die Religionsfreiheit sichergestellt werden. Außerdem sei wichtig, "die besondere Identität von Kirchen und Religionsgemeinschaften" anzuerkennen und einen "strukturierten Dialog mit ihnen" zu ermöglichen. Die Mitgliedskirchen der KEK und der CCEE werden gebeten, die Verfassungsgestaltung "aufmerksam zu begleiten" und ihre nationalen Regierungen zur Erfüllung dieser Vorschläge aufzurufen.

Das Treffen, das auf Einladung des Rumänisch-orthodoxen Patriarchats in Bukarest stattfand, sei von großer Herzlichkeit geprägt gewesen, sagt Antje Heider-Rottwilm, Leiterin der Europa-Abteilung im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Der Patriarch hat immer wieder voller Wärme davon gesprochen, wie wesentlich für ihn die ökumenische Gemeinschaft ist." Für die Ausschussmitglieder der KEK war es die letzte Jahrestagung: im Juni 2003 werden sie bei der Vollversammlung im norwegischen Trondheim ihr Mandat beenden.

Hannover, den 7. Februar 2003 Pressestelle der EKD Silke Fauzi

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