Käßmann: Globalisierung mit ethischen Maßstäben

Nachricht 30. Januar 2003

Landesbischöfin für Zusammenarbeit von Kirche und Wirtschaft

Gifhorn (epd). Die Globalisierung der Wirtschaft muss nach Auffassung der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann sozial gestaltet und von ethischen Maßstäben begleitet werden. Für die Zukunft der Gesellschaft sei deshalb die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Wirtschaft wichtig, sagte Käßmann am Mittwochabend in Gifhorn beim Neujahrs-empfang des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises und der Kreishandwerkerschaft.

Käßmann, die erst am Montag vom Weltsozialforum in Porto Alegre in Brasilien zurückgekehrt war, vertrat die Auffassung, dass ein gewisser Eigennutz legitim sei, aber stets an die Solidarität geknüpft sein müsse. Die Bibel verurteile nicht Reichtum an sich, sondern nur dann, wenn er zum Götzen werde.

Nach den Worten der Landesbischöfin besteht die "wohl größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts" darin, die Globalisierung so zu gestalten, dass nicht Gewinnmaximierung für wenige, sondern soziale Gerechtigkeit für alle das Ziel sei. Für dieses Ziel müssten Subventionen abgebaut, Märkte geöffnet, internationale Sozialstandards und Verhaltenskodizes der international agierenden Konzerne eingehalten werden.

Die Kirche kann nach Auffassung Käßmanns von der Wirtschaft unter anderem Personalführung, Mitarbeitermotivation, Produktstolz und "Product Placement" lernen. Innerkirchlich gelte es hier, manche Vorurteile zu überwinden. Die Kirche müsse auch lernen, sich auf dem Markt der Religionen anzubieten, meinte Käßmann. Es genüge nicht, zu lamentieren dass sonntags um 10 Uhr nur fünf Prozent der Mitglieder in den Gottesdienst kämen.

In ihrem Vortrag in der St.-Nicolai-Kirche würdigte Käßmann die Handwerker und deren Kreativität. Die Bibel achte das Handwerk hoch, sagte die Landesbischöfin mit einem Hinweis auf Josef den Zimmermann und Paulus, der als Zeltmacher die entscheidenden Einkünfte verdient habe. Arbeit könne den Menschen zufrieden machen, dürfe aber niemals der gesamte Lebensinhalt werden. Es sei nicht die Leistung allein, die zähle. Das Leben habe dadurch Sinn, dass es ein Geschenk Gottes sei. (epd Niedersachsen-Bremen/b0286/29.01.03)
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